EVERYBODY WANTS SOME!!

„We came for a good time, not for a long time.“

Everybody Wants Some!! ~ USA 2016
Directed By: Richard Linklater

Texas, 1980. Der junge Jake (Blake Jenner), ein Baseball-Talent, bezieht eine von Sportsgenossen bewohnte WG, um sich binnen weniger Tage als Erstemester-Student am College einzuschreiben, wo er zudem als Pitcher das hiesige Team unterstützen wird. Gemeinsam mit seinen neuen Freunden erlebt er ein ereigniseiches Party-Wochenende und lernt sogleich seine neue Liebe Beverly (Zoey Deutch) kennen.

Ich habe fürs Erste für mich beschlossen, Richard Linklater weder zu den verpflichtenden, noch zu den vordringlichen amerikanischen Gegenwartsregisseuren zu zählen. Verantwortlich dafür ist „Everybody Wants Some!!“. Der Filmtitel mitsamt seinen beiden Aurufezeichen rekurriert auf einen gleichnamigen Song vom 1980er-Van-Halen-Album „Women And Children First“. Nicht nur dadurch ergibt sich ein Bezugspunkt zu dem 23 Jahre zuvor entstandenen „Dazed And Confused“, der mir allerdings zumindest ein wenig besser gefällt. Dafür, dass Linklater unter anderem von großen Zeiträumen und dem Wechsel von Lebensphasen und/oder Beziehungsgefügen sowie der Porträtierung und nostalgischen Verklärung von bestimmten Phasen bewegt wird, künden ergänzend bereits diverse andere seiner Arbeiten. Hier bleibt er abermals bei jenem für sich bewährten Leisten.
Sein aktuelles Baby, „Everybody Wants Some!!“, besetzt mit ausgesucht schöngesichtigem Film- und Fernseh-Nachwuchs, präsentiert sich als spektakulär unspektakuläres Kino, das seine unbedingte Realitätsanbindung mit einiger Überzeugung vor sich her trägt. Der Film begreift sich als beinahe semidokumentarische Bestandsaufnahme seines Spieljahres, zehrt offenbar stark von autobiografischen Elementen und gibt sich so betont unaufregend und antiklimaktisch, dass mich bald vehement das unbestimmte Gefühl beschlich, eine Vermisstenmeldung machen zu müssen: Diese paar uramerikanischen Jungs taumeln so vorhersehbar durch ihre dreieinhalb Tage Vor-Semester-Zeit, wie es jeder typischen Coming-Of-Age-Geschichte im Collegemilieu ziemt. Dazu zählen diverse Obligatoria wie der Disco-Besuch mit dazugehöriger Musik, eine Trainingsstunde auf dem Baseball-Feld, eine ausufernde Hausparty, ein gemeinsames Bad im nahen Tümpel, eine von Pink Floyd untermalte Kifferrunde und so fort. Der offenbar nach wie vor als für p.c.-Gründe notwendig erachtete Quoten-Afro-Amerikaner (J. Quinton Johnson) ist dabei, die liebenswerte Liebesromanze mit dem noch liebenswerteren Mädel darf ebensowenig fehlen. Alles wie gehabt und gefühlte tausendmal anderswo und mit weitaus kernigeren Figuren augestattet bereits gesehen. Was alles gewiss nicht bedeutet, dass „Everybody Wants Some!!“ ein schlechter oder über Gebühr durchkalkulierter Film wäre. Ich glaube im Gegenteil, dass Linklater sehr viel an Herzblut in seinen Jüngsten gesteckt hat. Die Songsammlung ist prima, das Zeitkolorit passt. Allein mir fehlt der passende Adapter, fazitär mehr denn ein gepflegtes „Nett“ für mich herauszuquintessenzieren. Stattdessen möchte ich viel lieber auf authentisch Zeitgenössisches wie Yates‘ „Breaking Away“ oder Kaplans „Over The Edge“ verweisen.

6/10

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s