D’ARDENNEN

Zitat entfällt.

D’Ardennen (The Ardennes) ~ BE 2015
Directed By: Robin Pront

Nach einigen Jahren Gefängnis kommt Kenny (Kevin Janssens) frei. Die Zeit im Bau hat ihn keinesfalls resozialisiert; er ist mindestens noch derselbe unbeherrschte Soziopath wie zuvor. Sein Bruder Dave (Jeroen Perceval), der einst von Kenny gedeckelt wurde und daher straffrei ausgehen konnte, hat zudem ein überaus unangenehmes Geheimnis: Er ist mittlerweile mit Kennys Ex-Freundin Sylvie (Veerle Baetens) zusammen, die zudem ein Baby von Dave erwartet. Aus Angst vor Kennys möglicher Reaktion behalten beide die Wahrheit zunächst für sich. Es dauert nicht lange, bis Kenny sich erneut in die Scheiße reitet und eine Leiche am Hals hat, die es zu entsorgen gilt. Er überredet Dave, zu diesem Zweck mit ihm in die verschneiten Ardennen zu fahren – Symbol gemeinsamer, glücklicher Kindheitstage.

Noch etwas gerader heraus als der zuvor geschaute „Rundskop“, in dem ebenfalls sein Co-Autor Jeroen Perceval zu sehen ist, geht Robin Pronts beeindruckender Debütfilm „D’Ardennen“ in die Vollen. Ein nachtschwarzes Brüderdrama entspinnt es sich hier, ganz so, wie es auch die Coens in früheren, grimmigeren Tagen hätten entwerfen mögen. Kevin Janssens gibt eine beeindruckend wirklichkeitsnahe Vorstellung als drogenkonsumierender Prolet und Ex-Knacki, der aufgrund seiner verwilderten Persönlichkeitsstruktur besser eingesperrt bliebe. So lautet schließlich das bedrückende und gleichfalls nicht unwahre Fazit des Films: Es gibt hier und da Zeitgenossen, die man als Freunde oder gar Verwandte vielleicht lieb hat, ohne die man aber tatsächlich besser dran wäre, weil sie es schlicht immer wieder versauen. Kenny ist so einer. Nachdem er im Knast verschwunden ist, haben sowohl Dave als auch Sylvie Zeit, ihr Leben neu zu sortieren. Drogen sind fortan passé, man verschafft sich schlecht bezahlte, aber immerhin ehrliche Jobs und beginnt, Gefühle füreinander zu empfinden, vielleicht, um die vorübergehende Leere der just entstandenen Lücke mit Leben zu füllen. Schließlich ist noch ein Kind unterwegs. Doch proportional zum Glück der Zweisamkeit wächst die Angst vor Kenny, der bald rauskommt. Als es soweit ist, fehlt der Mut, dem nach wie vor unkontrollierten Wüterich die Wahrheit mitzuteilen. Erwartungsgemäß führt die unpässliche Gesamtsituation in die dräuende Katastrophe; die winterlichen Ardennen werden zum Vorhof der Hölle.
Pronts Film präsentiert sich als von beeindruckender Hermetik beseelt; ein Drei-Personen-Stück um die elementarsten Empfindungen Liebe, Hass, Wut. Und über Schuld und Sühne natürlich. Damit vollbringt er vielleicht keine ausgesprochenen Renovierungsarbeiten am klassischen Duktus des Thriller-Dramas, er füttert selbigen jedoch mit lebenswichtigen Nährstoffen. Und diese entsprechen in Zeiten zunehmend gleichförmig wirkender Filmkreationen innerhalb des (bzw. der) Genres einer nicht zu unterschätzenden Vitalinjektion.

8/10

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