BELOVED INFIDEL

„This time it’s different. I never promised myself.“

Beloved Infidel (Die Krone des Lebens) ~ USA 1959
Directed By: Henry King

Hollywood, 1939: Die britischstämmige Klatschreporterin Sheilah Graham (Deborah Kerr) wird von ihrem Schirmherrn John Wheeler (Philip Ober) in die Filmmetropole geschickt, um dort mit Kolumnen über die Glitzerwelt groß heraus zu kommen. Bald lernt sie den Schriftsteller F. Scott Fitzgerald (Gregory Peck) kennen, der sich seit seinem letzten Roman „Tender Is The Night“ eher schlecht denn recht als Drehbuchautor verdingt. Man verliebt sich heftig ineinander, als der Literat jedoch aus seinem aktuellen Engagement herausgekündigt wird,erlebt Sheilah erstmals die dunkle Seite des Genies: Fitzgerald neigt nämlich zu heftiger Trunksucht, die ihn dann oft tagelang in delirösen Zuständen gefangenhält und ihn zu einem nervenstrapazierenden Misanthropen mutieren lässt. Nachdem jener Zwischenfall durchgestanden ist, rauft man sich wieder zusammen und zieht in ein Strandhaus in Malibu, wo Fitzgerald seinen Schlüsselroman „The Last Tycoon“ in Angriff nimmt. Schon die ersten Kapitel werden von seinem Verlag als „unlesbar“ abgekanzelt, was erneut eine tiefe Krise bei dem Autoren auslöst. Die zutiefst verletzte Sheilah trennt sich von ihm und ignoriert zunächst als sein Flehen, bis sie doch zu ihm zurückgeht. Da hat Fitzgerald jedoch nur noch wenige Wochen zu leben.

Henry Kings vorletzter Film – der letzte ist eine Adaption von Fitzgeralds „Tender Is The Night“ -, zugleich das Finale mit „seinem“ Sechsfachstar Gregory Peck, gibt ein wundervolles Kitsch-Melodram ab, das in geradezu exemplarischer Weise zeigt, wie routiniert die Hollywoodstudios zur Zeit der Fünfziger und Frühsechziger Herzschmerz mit Edelschimmel, Goldstaub und Sahnehäubchen zu produzieren pflegten: Zwei der größten (Vertrags-)Darsteller ihrer Ära, Kalifornien nebst seinen sozialen Eigenheiten und malerischen Küstenstreifen; Trunksucht als Beziehungskiller und Hochemotionen; dazu noch die authentische Biographie eines amerikanischen Helden im Zwielicht – das zerschnitt die Herzen des willfährigen Publikums gleich reihenweise. Peck und Kerr sind erwartungsgemäß traumhaft; er hat eine der wenigen Gelegenheiten seiner langen Schauspielkarriere, zumindest zeitweise (sprich in den zwei Sequenzen, in denen er stockbesoffen ist) ein mieses Arschloch zu proklamieren, das zwischen Fremdscham, Bedrohlichkeit und Mitleidsevozierung umhertaumelt, sie tut das was, sie stets am Besten konnte – eine gleichermaßen selbstbewusst-feministische, wie verletztliche Frau mitsamt enigmatischer Psyche zu interpretieren, für die der große, arme F. Scott Fitzgerald zu egalten Teilen Pygmalion und Sorgenkind darstellt. Einige wildromantische, dramatische Szenen am wellenumtosten Strand erinnern in ihrer bombastischen Inszenierung wohl nicht ganz von ungefähr an die analogen, legendären Momente aus „From Here To Eternity“, in denen sich die Kerr nur fünf Jahre zuvor mit Burt Lancaster in der Brandung wälzte; dazu spielt eine gewaltig orchestrierte „Ave Maria“-Variation von Franz Waxman. Bildliche und tonale Repräsentation eines im Ganzen repräsentativen Films, mit dem Hollywood sich und seine Arbeistsweise auf merkwürdig-perplexe Art gleichfalls selbst feiert und als Kreativdrossler denunziert.

7/10

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