CRIMINAL

„You hurt me – I hurt you worse.“

Criminal (Das Jerico-Projekt – Im Kopf des Killers) ~ USA/UK 2016
Directed By: Ariel Vromen

Der Spion Bill Pope (Ryan Reynolds) wird ermordet, bevor er seinen letzten Auftrag erfolgeich zu Ende bringen kann. Jener sah vor, den Hacker Jan Strook (Michael Pitt), genannt „Dutchman“, der zuvor mit dem megareichen Anarcho-Terroristen Xavier Heimdahl (Jordi Mollà) zusammengearbeitet hatte, in Sicherheit zu bringen. Strook hat im Auftrag von Heimdahl ein Programm entwickelt, mit dem er sich in sämtliche militärischen Abwehrsysteme der Westmächte einloggen und diese nach Belieben steuern kann – für Heimdahl eine formidable Möglichkeit, die Weltgemeinde seinem Ansinnen gemäß auf Null zurückzuschleudern und neu beginnen zu lassen. Damit es trotz Popes Ableben nicht dazu kommt, zieht man den Gehirnexperten Dr. Franks (Tommy Lee Jones) hinzu, der einen Weg gefunden hat, die neuralen Muster einer Person auf die einer anderen zu übertragen, welche entsprechende physische Voraussetzungen mitbringt. Eine solche findet sich unfreiwilligerweise in dem asozialen Schwerverbrecher Jerico Stewart (Kevin Costner), der wegen einer spezifischen Hirnschädigung keine Emotionen oder Schuldschemata kennt. Nach der Operation kann Stewart fliehen, doch Popes Erinnerungen durchfluten bald ebenso seine Gedankenwelt wie die Gefühlswelt des Verstorbenen…

Ich hätte von Ariel Vromen nach dessen gelungenerem Vorgängerfilm „The Iceman“ ja ehrlich gesagt etwas mehr erwartet als diesen eher einfältig geratenen Espionage-Fiction-Schmarren, der seine Existenzberechtigung letztlich nur aus der einen Tatsache bezieht, dass seine unglaubliche Besetzung (neben Costner, Reynolds und Jones bekommt man Gary Oldman, Scott Adkins in einer leider viel zu kleinen Rolle und die neue „Wonder Woman“ Gal Gadot) sozusagen entgegengesetzt proportional zu seiner ziemlich dämlichen Geschichte arbeitet. Der Cast wird sicher auch einen Hauptgrund dafür gestellt haben, dass Vromen überhaupt Interesse daran hatte, „Criminal“ zu inszenieren; vermutlich würde jeder in Hollywood tätige Nachwuchsregisseur mit karrieristischen Aufstiegsambitionen sich einem Projekt mit einer derart prominenten Darstellerriege verschreiben. Dabei präsentiert der Film wenig anderes als eine hübsche Menagerie alter bis uralter Hüte: Die alte Mär vom Hirnpfusch mit einer Art mentalem Frankenstein-Monster zwecks Konservierung wichtiger Informationen, ein zunehmend reumütiger Hartarsch (Costners Performance lässt sich relativ umweglos als Reprise seines Butch Haynes aus Eastwoods „A Perfect World“ erkennen), die Geburt eines Superagenten, der seine Fähigkeiten daraus bezieht, plötzlich über zwei höchst diametrale Persönlichkeitsmuster zu verfügen, schließlich ein Bösewicht wie aus einem Bond-Film. In den Achtzigern hätte das als Pilotfilm für eine flotte TV-Serie hergehalten (die letzten Filmsekunden deuten sogar Entsprechendes an), in den Neunzigern wäre sowas noch bei Pepin/Merhi oder bei wirtschaftlich ähnlich aufgestellten Produzenten von etwas einfacheren filmischen Kurzwaren gelandet. Heute lässt sich ein mittelgroßes Studio einen solch albernen Spaß gut dreißig Millionen Dollar kosten und verwurstet dafür zudem noch eine Garde gestandener Akteure in der Hoffnung, mit diesem immerhin unterhaltsamen Blödsinn den großen Reibach zu machen. Die Quittung dafür war, dass „Criminal“ ziemlich bös gefloppt ist und es hierzulande noch nichtmal bis in die Kinos schaffte. Das ist wiederum schade, denn zumindest eine kleine Chance hätte ihm dann doch zugestanden. So bin ich großmütig bereit, dem Film seinen etwas infantilen Charakter nachzusehen und ihn zumindest okay zu finden. Warum auch nicht?

6/10

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