ANNE OF THE INDIES

„I stood by and watched murders and worse. And that’s not all!“

Anne Of The Indies (Die Piratenkönigin) ~ USA 1951
Directed By: Jacques Tourneur

Seit die britische Krone dereinst den Tod ihres Bruders verschuldete, tut die Piratin Anne Providence (Jean Peters) alles, um der Kolonialmacht Schaden zuzufügen. Mit Vorliebe entert sie in der karibischen See englische Schiffe und lässt deren Besatzung ausnahmslos über die Planke gehen. Bei ihrem jüngsten Coup lernt Anne dann den gefangenen Franzosen Pierre LaRochelle (Louis Jordan) kennen, den sie kurzerhand zum Ersten Offizier ernennt und sich schon bald darauf in ihn verliebt. Annes Mentor Blackbeard (Thomas Gomez) hegt derweil einen unbestimmten Verdacht gegen den Neuling, der sich bald bestätigt: LaRochelle arbeitet als Spion im Auftrag der Briten, die sein Schiff in Gewahrsam haben. Derweil haben sich die vor Liebe verblendete Anne und Blackbeard bös entzweit. Als sie die Wahrheit erkennt, nimmt sie Pierre und seine Gattin Molly (Debra Paget) gefangen und setzt sie, zum Verdurstungstod verdammt, aus. Doch das schlechte Gewissen plagt sie…

Jean Peters, nach einer kurzen, aber heftigen Hollywood-Karriere, die sie im Zuge eines Vertrages mit der Fox an die Seite diverser namhafter Regisseure und Stars führte, für vierzehn Jahre die Ehefrau von Howard Hughes, war 1951 Jacques Tourneurs Dame der Stunde, als es darum ging, dem wie alle Abenteuersubgenres von männlichen Hauptfiguren dominierten Piratenfilm einen weiblichen Korsaren zuzusetzen. Die Rollen von Peters und Louis Jordan hätten im Hinblick auf die Geschlechter ebensogut vertauscht sein mögen; man stelle sich etwa Tyrone Power vor, der von der Spionin Maureen O’Hara becirct und darüber schließlich zu Fall gebracht wird. Vor allem der Gender-Aspekt also nötigt „Anne Of The Indies“ gehörigen Reiz ab. Dabei ist die Geschichte keinesfalls weit hergeholt: Die authentische Seeräuberin Anne Bonny machte im frühen 18. Jahrhundert die karibischen Gewässer unsicher und bot im Nachhinein Stoff für etliche wildromantische Anekdoten als eine der berüchtigsten, mutigsten und gerissensten Verteterinnen ihres Fachs, Männer inbegriffen. Jean Peters absolviert mit tiefer Stimme und resolutem Auftreten jenen Part glänzend und wirkt niemals albern oder übertrieben, wie es die ja sehr bewusst gewählte Prämisse des Films befürchten lassen könnte. Ein Säbelduell mit dem dicken Thomas Gomez bestreitet sie gekonnt und auch als schmählich enttäuschte Betrogene, die sich ein einziges Mal von Gefühlen hat überwältigen lassen und damit gleich übelst auf die Nase fallen musste, überzeugt die Dame. Dass Tourneur wie eigentlich stets überaus untadelig arbeitet und auch im swashbuckler daheim ist, hatte er bereits mit „The Flame And The Arrow“ unter Beweis gestellt. „Anne Of The Indies“ übertrifft diesen noch, und durchaus souverän.

8/10

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