THE DON IS DEAD

„I’m providing terms now.“

The Don Is Dead (Der Don ist tot) ~ USA 1973
Directed By: Richard Fleischer

Las Vegas, Nevada. Nachdem der alte Don Paolo Regalbuto das Zeitliche gesegnet hat, versuchen die übrigen Familien, sein Erbe gerecht zu verwalten. Der nicht sonderlich erfahrene Frank (Robert Forster), der einzige Sohn des Verblichenen, soll dessen Imperium beizeiten übernehmen, zunächst jedoch unter der Schirmherrschaft seines väterlichen Freundes Don Angelo DiMorra (Anthony Quinn) das Geschäft ordentlich erlernen. Der intrigante Luigi Orlando (Charles Cioffi) schmiedet derweil Ränke, Frank und Don Angelo gegeneinander auszuspielen und missbraucht dafür Franks nichtsahnende Freundin Ruby (Angel Tompkins), eine aufstrebende Sängerin. Orlando verkuppelt diese in Franks Abwesenheit mit Don Angelo, was der Gehörnte mit einer derben Tracht Prügel für Ruby quittiert. Nun ist Don Angelo seinerseits rachsüchtig. Orlandos Plan scheint aufzugehen, doch er hat nicht mit Franks Freunden, den Fargo-Brüdern gerechnet. Als der Ältere der beiden, Vince (Al Lettieri) bei einem Hinterhalt erschossen wird, nimmt nach anfänglichem Zögern der ansonsten friedliche Tony (Frederic Forrest) das Heft in die Hand…

Nach dem überwältigenden Erfolg von „The Godfather“ versuchte – ein stetes Kausalitätsgesetz im Mainstream – auch die Studiokonkurrenz, mit emotional konnotierten Mafia-Geschichten Kasse zu machen. Ebensowenig jedoch wie Marvin Alberts Vorlage dem Roman Mario Puzos das Wasser reichen kann, vermag es Fleischers Adaption, Coppolas monströses, absolut fehlerfreies Meisterwerk auch nur millimeterbreit anzukratzen. Als Beispiel für die immer wieder eklatante Ratlosigkeit von Studio-Mechanismen, insbesondere zu Zeiten New Hollywoods, und auch als Exempel für eine Ministudie zum Thema Kunst vs. Handwerk lässt sich „The Don Is Dead“ ganz gut heranziehen, einmal ganz davon abgesehen, dass man ihm bestimmt nicht absprechen kann, solides Gangsterfilm-Entertainment vorzuschießen.
„The Don Is Dead“ bricht den komplexen Plot von „The Godfather“ quasi auf Busbahnhofskiosk-/Sidney-Sheldon-Niveau herunter: Hier geht es nurmehr um den Teilaspekt der Nachfolge des verschiedenen, alten Don, zu dessen Lebzeiten der Laden noch lief. Doch die Konkurrenz schläft eben nicht, sondern wittert bereits das dräuende Organisationsleck wie der Löwe die verirrte Antilope. So muss auch hier am Ende ausgerechnet derjenige die Sache geradebiegen, der eigentlich gar nichts mit dem Familiengeschäft zu tun haben, der längst aussteigen und eine geregelte Existenz begehen wollte. Am Ende, nach dem mafiösen Großreinemachen, steht schließlich ein neuer padrino, einer, von dem niemand es hatte glauben wollen und der durch sein unbeirrtes, strategisches und gnadenloses Vorgehen allen gezeigt hat, wo der Frosch die Locken hat. Anthony Quinn, der der Einfachheit halber in der deutschen Synchronfassung gleich noch dieselbe Stimme verpasst bekam wie zuvor Brando in „The Godfather“ (nämlich die des famosen Gottfried Kramer), darf den Kehraus zwar überleben, sitzt jedoch, schwer von einem Schlaganfall gezeichnet, im Rollstuhl. Er hat sich wegen einer Frau ausbooten lassen und ist auf den ältesten Trick der Welt reingefallen. Leib und Einfluss sind dahin. Ein weiterer Don ist „tot“.
Mit Al Lettieri und Abe Vigoda standen Fleischer, der seine Sache insbesondere in Anbetracht früherer Errungenschaften so strunzroutiniert durchzieht, als mache er hier ordinäres Fernsehen, immerhin zwei elementare Akteure aus „The Godfather“ zur Verfügung und die Nebenbesetzung glänzt bis in Mini-Parts hinein mit tollen Gesichtern, darunter Victor Argo, Sid Haig oder Barry Russo. Die sorgen für wahrhaftiges Hallo. Dennoch kann das alles nie wirklich zur Gänze verhehlen, dass die umtriebige Universal mit diesem Kleinprojekt einen ziemlich billigen Versuch unternommen hat, aus dem Schatten eines Jahrhundertwerks ein paar schnelle Dollar abzugreifen.

6/10

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