COWBOY

„He always did the best he knew how. I hope somebody can say the same over me.“

Cowboy ~ USA 1958
Directed By: Delmer Daves

Weil er darin die einzige Möglichkeit sieht, seiner geliebten Maria (Anna Kashfi), die in Mexiko lebt, nahe zu sein, lässt sich der Chicagoer Hotelangestellte Frank Harris (Jack Lemmon) von Rinderspediteur Tom Reese (Glenn Ford), der einen Viehtreck zu Marias Vater Vidal (Donald Randolph) nach Mexiko treibt, zum Partner machen. Reese, ein alter Hase im Geschäft, rät Harris dringend davon ab, ist doch das Leben des Viehtreibers keinesfalls von jener Romantik, wie ein Stadtmensch wie Harris sich das vorstellt. Tatsächlich muss Harris bald lernen, dass es hier tatsächlich nicht allein um knochenharte Arbeit geht, sondern dass der streitbare Moralkodex der Cowboys immer wieder mit dem seinen kollidiert. Als ihn dann, am Ziel der Reise angelangt, auch noch Maria zurückweist, wird Harris zunehmend verdrießlich…

Westernexperte Delmer Daves selbst nennt „Cowboy“ jenen seiner Filme, auf den er am stolzesten ist und den er für den gelungsten hält. Tatsächlich erinnert der Plot nicht selten an Hawks‘ „Red River“, obschon er sich an einem Tatsachenbericht des echten Frank Harris orientiert. Wie im großen Vorbild steht im Zentrum des Geschehens die wechselhafte Beziehung eines bärbeißigen Rinderprofis zu seinem Ziehsohn, die von zwischenzeitlichen, reziproken Hassgefühlen geprägt ist, um sich dann am Ende, nach allerlei Turbulenzen und Lebenslektionen, die beide zu lernen haben, in ihrer tiefen Freundschaft bestätigt zu finden. Zwar geht das Krisenpotenzial nie soweit, dass einer von dem anderen gezielt übervorteilt, oder im Stich gelassen wird; dennoch kommt es immer wieder zu starken Spannungen, die vor allem von dem Jüngeren ausgehen, der sich immer wieder schulbemeistert oder sonstwie gegängelt wähnt. Besonders die Enttäuschung darüber, dass die Hauptmotivation für seine beschwerliche Reise, also die schöne Mexikanerin, zwischenzeitlich von ihrem Vater verheiratet wurde und somit nicht mehr frei für ihn ist, verbittert Frank zutiefst und macht ihn zu einem immensen Egozentriker. Doch irgendwann löst die Einsicht den befristeten Persönlichkeitseinbruch ab und Frank wird zu einem Reese gleichberechtigten Profi sowie einem guten Freund. Einer weiteren Zusammenarbeit steht nun nichts mehr im Wege.
Man darf hinter „Cowboy“ trotz der Mitwirkung Jack Lemmons keine Komödie erwarten. Tatsächlich nimmt der Film sein Sujet trotz kleinerer, heiterer Momente, die jedoch nicht über das übliche Maß an Aufhellungselementen im klassischen Genrefilm hinausgehen, höchst ernst. Lemmon weiß durch sein absolut dramenkonformes und actionaffines Spiel sogar ganz speziell zu begeistern und erinnert nachdrücklich daran, dass er eben nicht nur ein großer Komödiant war, sondern auch ein hervorragender Charakterdarsteller und damit ein universeller Meister seines Fachs. Ob ich Daves‘ Selbsteinschätzung derweil stützen würde, wage ich eher zu bezweifeln. Da gibt es ja noch ganz andere Kaliber in seinem ohnehin beeindruckenden Œuvre…

8/10

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