THE NEIGHBOR

„I won’t let you be left down here.“

The Neighbor ~ USA 2016
Directed By: Marcus Dunstan

Cutter, Mississippi ist ein widerliches, kleines Kaff, in dem Kriminelle jedweder Kuleur sich „Guten Tag“ sagen. Für den Golfkriegsveteranen John (Josh Stewart), der unter der scheinbar allmächtigen Knute seines Onkels Neil (Skipp Sudduth) steht und diesen bei seinen Aktionen als Drogenspediteur unterstützt, gibt es nurmehr ein Ziel, nämlich möglichst umgehend sein heimlich Gespartes zu packen und mit seiner Freundin Rosie (Alex Essoe) nach Mexiko durchzubrennen. Was John jedoch nicht weiß: Sein Nachbar Troy (Bill Engvall) betreibt mit seinen zwei Söhnen (Luke Edwards, Ronnie Gene Blevins) ein heimliches Kidnapping-Unternehmen. Als Rosie Troy während Johns Abwesenheit bei seinem Treiben beobachtet, gerät sie selbst in die Gefangenschaft der Unholde…

Nach seinen beiden „Collector“-Filmen tritt Marcus Dunstan wieder ein wenig auf die Bremse und liefert einen kleinen, bösen neo noir, der sich wohltuend bescheiden innerhalb seiner selbst gesteckten Grenzen bewegt, bewusst darauf verzichtet, mehr vorzustellen, als er ist und gerade dadurch erfolgreich ist.
Dass die Südstaaten, oder zumindest deren Bild als medial kultiviertes Klischee als flächenmäßig erheblicher Teil von Amerikas Provinz keine Gegend repräsentieren, in der man als gebildeter Mitteleuropäer allzu gern seine Zelte aufschlagen würde, bestätigt auch „The Neighbor“ ein weiteres Mal. Hier leben sie in dichter Konzentration, die Meth-Köche, die Dealer, die schmierigen Burgerbrater, Halbgebildete, Kriminelle, Trump-Wähler. Unter den wenigen Individuen, die man in „The Neighbor“ kennenlernt, findet sich keines, mit dem man sich gern am Tresen einer Bar im Dialog wiederfände; selbst Protagonist/Held John ist seit seinem Kriegseinsatz offenbar stark enthemmt, was den Einsatz brachialer Gewalt angeht. Immerhin kommt ihm diese „Qualität“ im Gefecht gegen seinen Nachbarn zugute und darin liegt zugleich ein weiterer Bonus des Films: Ausnahmsweise sind sich nämlich die sadistischen Psychopathen und die von ihnen attackierten Kontrahenten sowohl in ihrer Vorgehensweise als auch in der Wahl ihrer Mittel vollkommen ebenbürtig; hier sind es keine großstädtischen College-Kids, die an zivilisationsmüde Rednecks geraten, sondern Typen, die sich ihrer Haut bestens zu wehren wissen und sich in der erzwungen kombattanten Situation halbwegs intelligent anstellen. Weder überreizt und Dunstan mit „Nein, tu’s nicht“-, noch mit „Meine Güte, ist der blöd“-Momenten und, soviel darf verraten werden: Der Unhold steht am Ende nicht wieder auf. Damit hält „The Neighbor“ seine Erzählzeit kurz und konzentriert, beschränkt sich jedoch auf das absolut Wesentliche. Dunstan erzeugt hier und da amtliche Suspense-Momente und zeigt, dass er ein formal versierter Regisseur ist, der sich zwar an einschlägigen Vorbildern orientiert, dabei jedoch hinreichend Eigenständigkeit aufweist, um seinen Film durchweg in Form zu halten.

7/10

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