BLAIR WITCH

„Don’t turn around.“

Blair Witch ~ USA 2016
Directed By: Adam Wingard

Ganze fünfzehn Jahre nach dem Verschwinden seiner Schwester Heather, die dokumentarisch einem Mythos um die Blair-Hexe in den Wäldern von Maryland nachgehen wollte, erhält James (James Allen McCune) ein mögliches Lebenszeichen von ihr: Auf einem online gestellten Video aus einer Ruine ist kurz ihr Spiegelbild zu sehen. Gemeinsam mit drei Freunden (Callie Hernandez, Corbin Reid, Brandon Scott) und den zwei Findern von Heathers Filmkamera (Wes Robinson, Valerie Curry) macht sich James in den bewussten Wald auf, um dort seine Schwester zu finden…

Das unter einigem Internet-Hype flankierte Sequel zu „The Blair Witch Project“ ist seiner Kreativköpfe Adam Wingard und Simon Barrett eigentlich nicht würdig. Nach allem, was die beiden bis dato vorgelegt haben, wäre ein vielversprechenderes Projekt von ihnen zu erwarten gewesen als diese tasächlich recht einfallslose Fortsetzung, die das effektive Original weitgehend kopiert und später vulgarisiert. Andererseits muss man feststellen, dass die Woge der sturen Ablehnung, die „Blair Witch“ im Nachhinein entgegenschlug, in dieser Vehemenz auch nicht gerechtfertigt ist, es handelt sich bei Licht und nüchtern betrachtet nämlich noch immer um einen unterhaltsamen Genrebeitrag mit einigen ungemütlichen Momenten, dem man sich am Besten möglichst vorurteilsfrei aussetzt.
Der basale Plot um die Suche nach einer seit fünfzehn Jahren vermissten (und nach rationalen Maßstäben längst verwesten) Person, die lediglich auf einer Sekundenaufnahme fußt, ist schonmal harter Tobak, den man kommentarlos zu schlucken gezwungen ist. Warum man nicht einfach eine Expedition auf die Suche nach der Expedition schickte, erscheint mir schleierhaft. Vermutlich hätte das Ganze dann noch mehr nach Remake gerochen als es das ohnehin schon tut. Weiter geht es mit der Hexe und ihren boshaften Ritualen, die jetzt zu einer weitaus präsenteren und konkreteren Gefahr werden als vermittels der noch recht diffusen Zeichen, die sie im Original hinterließ: Barrett und Wingard machen heuer bereits nach dem ersten Drittel des Films keinen Hehl mehr daraus, dass wir es hier mit einer mächtigen, dämonischen Entität zu tun haben, die Raum, Zeit und Wahrnehmung nach ihrem Gutdünken beeinflussen kann. Ironischerweise enthebt gerade diese Neuerung die Hexe eines Großteils ihrer vormaligen Bedrohlichkeit: Wenn das Ungetüm ohnehin sämtliche äußeren Bedingungen kontrollieren kann, die naiven Kids sozusagen nurmehr Gefangene in ihrem „Reich“ sind und zu reinen Spielbällen verkommen, dann verliert die optionale Frage nach ihrer Flucht komplett an Relevanz und damit einhergehend auch weithin sämtliche Spannung an Bedeutung. Nurmehr das „Wie“ bleibt bestehen; die Hexe selbst wird zur absoluten Herrin ihres parallelweltlichen Terrains, so wie Jason am Crystal Lake, wie Freddy im Traumreich oder Pinhead in der Sadohölle. Horror und Fantasy tauschen die Plätze. Myrick und Sánchez enthielten sich ehedem wohlweislich solcher genreevidenten Katalogisierungen und wählten stattdessen das unbekannte, unbehagliche Mysterium, was ihrem kleinen Film damals seine vordringlichste Stärke verlieh.
Bei Wingard nun kann man das Monster gegen Ende sogar zweimal ganz kurz im Bild erhaschen, bezeichnenderweise die gruseligsten Augenblicke des Films.

5/10

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