BILLY THE KID

„I’m saving my right to shake hands with friends.“

Billy The Kid (Der letzte Bandit) ~ USA 1941
Directed By: David Miller

New Mexico in den frühen 1880ern. Nachdem der von dem Ganoven Dan Hickey (Gene Lockhart) gedungene Outlaw William Bonney (Robert Taylor), genannt „Billy The Kid“, in der Prärie seinen alten Freund Jim Sherwood (Brian Donlevy) wiedertrifft, wendet er Hickey den Rücken zu und lässt sich als Cowboy von dessen schärfstem Konkurrenten, dem Rancher Eric Keating (Ian Hunter) anstellen, für den auch Jim als Vormann arbeitet. Während Keating, der für Billy bald zum väterlichen Ratgeber und Freund avanciert, offziell zum Justizbeauftragten ernannt wird, setzt Hickey nun erst recht alles daran, seinen Erzfeind zu schwächen. Er lässt Keating erschießen, woraufhin Billy trotz der Mahnung Jims wieder zum Revolver greift und eiskalt mit Hickey und seinen Leuten abrechnet.

Obschon historisch extrem ungenau und bewusst verfälscht, ist dies einer der schönsten Hollywood-Western um den Gesetzlosen William Bonney. Robert Taylor, zum Entstehungszeitpunkt des Films bereits gute acht Jahre älter als der historische Bonney bei seinem Tod,  interpretiert seinen Antihelden in einem denkwürdigen Auftritt auf brillante Weise als einen ewig auf der Flucht befindlichen, moralisch verlorenen Charakter, der zwischen den Extremen umherpendelt und nirgends (s)ein Zuhause findet. Als einzigen Freund und „Maskottchen“ dichtet das Script ihm einen mexikanischen Tagelöhner an (ebenfalls wunderbar: Frank Puglia), der Billy, wie eine treffliche, symbolstarke Szene, in der beide gemächlichen Schrittes und rücklings aneinandergelehnt durch die Steppe reiten, als einzig verlässliche, freundschaftliche Stütze dient. Als dieser hinterrücks ermordet wird, ahnt man bereits, dass die Geschichte auch für die Titelfigur kein gutes Ende nehmen kann. Billys finaler Schritt hin zum gnadenlosen Racheengel – eine sehr konsequente und ungewohnt harte Entwicklung für eine Studioproduktion dieser Ära – ist gleichermaßen Zeichen seiner maßlosen Enttäuschung angesichts der verzweifelten Versuche des gutmütigen Keating, den Westen zu zivilisieren und Symbol der eigenen Todessehnsucht. Wenngleich Billy nicht anders kann, als mit den feigen Schurken abzurechnen, weiß er, dass die Zeit für Männer wie ihn ihren Zenit längst überschritten hat. Fast jeder, der ihm etwas bedeutete, ist tot und die einzige Frau (Mary Howard), die sein rastloses Herz noch hätte befrieden können, ist längst dem besten Freund versprochen. Er lässt sich daraufhin von Jim Sherwood, der Keatings Nachfolge antritt, erschießen, ohne sich ernstlich gegen ihn aufzulehnen (er zieht mit der Rechten, statt mit links, wie er es als Linkshänder eigentlich stets zu tun pflegte). Insofern ist der in prächtigem, augenzuckerndem Technicolor photographierte Film bereits ein früher Abgesang auf die grassierenden Romantizismen der Western-Kultur, lange, bevor Termini wie „Spätwestern“ oder „Postwestern“ die Runde machten.

9/10

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