BLUE CHIPS

„I quit!“

Blue Chips ~ USA 1994
Directed By: William Friedkin

Der knarzige Coach Pete Bell (Nick Nolte) trainiert die „Dolphins“, das Basketball-Team der Western University in L.A.. Nachdem seine Mannschaft die letzte Saison auf den mittleren Rängen beschloss, hält Bell nun landesweit Ausschau nach vielversprechenden Nachwuchstalenten. Gleich drei davon findet er in Neon (Shaquille O’Neal), Butch (Anfernee Hardaway) und Ricky (Matt Nover), allesamt Kids aus mittleren bis prekären Verhältnissen, aber großartige Basketballer. Um sowohl die Jungs als auch ihre Eltern zu einer raschen Immatrikulationsentscheidung und damit zur Aufnahme ins Team zu bewegen, lässt sich Pete mit dem eigentlich verhassten, öligen Gauner Happy (J.T. Walsh) ein. Dieser steht einer semioffiziellen Organisation vor, die die Studierenden der Sportmannschaften und ihre Familien mit monetären Zuwendungen schmiert. Als herauskommt, dass dies längst nicht der einzige von Happy initiierte Korruptionsfall in Petes Werdegang bei den Dolophins ist, ringt sich Pete zu einer schweren Entscheidung durch.

Als Amerikaner begreift man die einem Film wie „Blue Chips“ inhärente Dramatik wahrscheinlich wesentlich besser. Dort gelten die College-Mannschaften in den großen Nationalsportarten wie Football, Baseball und eben Basketball nämlich nicht nur als unerlässlicher institutioneller Renommee-Baustein des jeweiligen Hauses, sondern zudem als wichtige Sprungbretter für anschließende Karrieren im Profisport. Das rigorose Talentfischen der Unis führt nur eben zwangsläufg dazu, dass manche Spielergröße im Prinzip überhaupt nichts in Vorlesungen oder Seminaren zu suchen hätte, sondern bloß wegen seiner Muskelkraft oder ähnlicher Geschicke eingeschrieben ist. Aus diesem Grunde gelten auch strenge Vorschriften, was etwa materiell basierte Lockungsversuche anbelangt – diese sind nämlich verboten. Und das aus gutem Grund: Wer primär eines dicken Portemonnaies oder eines schicken Sportwagens wegen spielt, der spielt mit halbem Herzen. Für einen Coach wie Pete Bell, dessen Herz das Aussehen eines Basketballs hat, eine nur allzu logische Kausalität. Dennoch liebt er das Gewinnen fast ebenso sehr wie den Sport selbst, was ihn schließlich in den Integritätsverrat treibt – um besser zu werden, braucht es besserer Spieler und die wachsen nicht auf Bäumen.
Ob ich „Blue Chips“ angeschaut hätte, wenn nicht William Friedkin der Regisseur wäre, weiß ich nicht; tatsächlich würde ich Selbiges sogar eher bezweifeln. Im Œuvre dieses wandlungsfähigen und -vollen Filmemachers nimmt „Blue Chips“ nun wohl eher eine Rolle im letzten Drittel ein. Vier Jahre nach seinem schönen Horrorstück (und nach meinem persönlichen Dafürhalten letzten wirklich bravourösen Film) „The Guardian“ entstanden, beweist Friedkin zwar nicht zuletzt via die bravourös choreographierten und montierten Spielsequenzen, dass mit ihm als Profi seiner Zunft noch immer gerechnet werden darf; von der umfassenden Tragweite, der Kunstfertigkeit und dem eisernen Zugriff früherer Werke jedoch ist dieses mäßig aufregende Sportdrama allerdings ein gutes Stück weit entfernt. Tatsächlich sind es einzig und allein Friedkins Regie und Nick Noltes hochemotionales, involvierendes Spiel, die den mit diversen Cameos echter Profis gepflasterten „Blue Chips“ von ähnlich geprägten Genrefilmen zumindest für den eher kino- denn ballsportinteressierten Beobachter bestenfalls leicht abheben. Das Script von Ron Shelton indes – einem Mann, der mit wenigen Ausnahmen vornehmlich Drehbücher um Sportgeschichten verfasste und inszenierte – bleibt so bodenständig wie routiniert.

6/10

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