ROBIN HOOD: PRINCE OF THIEVES

„I never knew my parents. It’s amazing I’m sane.“

Robin Hood: Prince Of Thieves (Robin Hood – König der Diebe) ~ USA 1991
Directed By: Kevin Reynolds

Jerusalem, 1194. Der englische Edelmann Robin von Locksley (Kevin Costner) kann mithilfe des ebenfalls inhaftierten Mauren Azeem (Morgan Freeman) aus der Gefangenschaft des Sultans fliehen und in die Heimat zurückkehren. Dort findet er die Familienburg verlassen und niedergebrannt – Robins Vater (Brian Blessed) hat seine Auflehnung gegen den Sheriff von Nottingham (Alan Rickman) mit dem Leben bezahlen müssen. Ein Scharmützel mit dem Vetter des Sheriffs, Guy von Gisborne (Michael Wincott), zwingt Robin und den ihn begleitenden Azeem zur Flucht in den gewaltigen Sherwood Forest. Dort tun sich die Freunde mit anderen Geächteten und Gesetzlosen zusammen und beginnen, durchreisende Vermögensverwalter und Edelleute zu plündern und ihre Beute an die arme Landbevölkerung zu verteilen. Der wütende Sheriff versucht indes alles, um seines Erzfeindes habhaft zu werden.

Rotzfrech-rustikales, ausgelassenes Abenteuerkino, das auch ebensogut ins Vorgängerjahrzehnt gepasst hätte mit all seinen kleinen Exaltiertheiten. Während Kevin Costner den Titelhelden noch ganz eindeutig als Reminiszenz an die romantischen Helden des klassischen Hollywood anlegt, arbeiten Regie, Script und sein Film-Antagonist praktisch rigoros gegen ihn und schaffen damit eine wunderbar eklektische Mixtur. Reynolds spielt und experimentiert lustvoll mit Perspektivik und Montage; mit der fiesen alten Hexe Mortianna (Geraldine McEwan), die sich als Mutter des Sheriffs offenbart, hält gar ein phantastisches Element Einzug – vielleicht als kleiner Wimpernschlag in Richtung der britischen TV-Serie „Robin Of Sherwood“ aus den Achtzigern. Das größte Geschenk für den Film aber ist natürlich Alan Rickman. Er macht jede einzelne Szene, in der er zu sehen ist, zu einer Zier. Als überdrehter, notgeiler und vor Wut und Sadismus geifernder Bösewicht, der selbst im Angesicht der totalen Niederlage noch fröhlich vor sich hin berserkert, übertrumpft Rickman selbst seine ohnehin schon meisterhafte Darstellung als Superganove Hans Gruber in „Die Hard“. Michael Wincott flankiert ihn dabei kongenial, doch auch Robin Hoods Gefährten ergeben eine hübsch bunte Zusammenstellung, die selbst die etwas fragwürdige Anwesenheit Morgan Freemans in den mittelalterlichen Wäldern Britanniens niemals redundant erscheinen lässt. Mit Christian Slater als renitentem Will Scarlet, Nick Brimble als unverwüstlichem Little John und Michael McShane als bierseligem Bruder Tuck, der ein, zwei Lektionen in Sachen Toleranz und Weltöffnung lernt, steht Costner eine veritable bande deluxe zur Seite, ohne die der ganze Film nur halb so hübsch wäre. Selbst die vielen, kleinen Hinzudichtungen und Verwischungen gegenüber früheren „Robin Hood“ – Verfilmungen wirken in ihrer frischen Unverfrorenheit tatsächlich allesamt sinnstiftend und passend. Sean Connerys Cameo als urplötzlich wiederkehrender König Richard (wo ist eigentlich sein intriganter Bruder John die ganze Zeit…?) am Ende, gefolgt sogar noch von einem kleinen Durchbruch der Vierten Wand via McShane unterstreicht zum guten Abschluss ein letztes Mal die anarchische Flamboyanz, mit der hier selten legeres Blockbusterwerk gemacht wurde und nach dessen Genuss man sich gerade so erbaut fühlt, als könne man auf 300 Meter Pfeile durch Nadelöhre schießen.

9/10

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