SING STREET

„Ce n’est pas le nom du groupe.“

Sing Street ~ IE/UK/USA 2016
Directed By: John Carney

Dublin, 1985. Für den Teenager Conor Lalor (Ferdia Walsh-Peelo) werden die kommenden Monate hart. Seine Familie zerbricht, die Eltern (Aiden Gillen, Maria Doyle Kennedy) leben sich mehr und mehr auseinander. Aus Ersparnisgründen muss Conor seine Privatschule verlassen und künftig auf ein staatliche, katholische Schule gehen. Ein Hoffnungsschimmer winkt in Form der Musik und der Gründung einer Band. Und dann ist da noch die hübsche, aber etwas selbstvergessene Raphina (Lucy Boynton), die Conors Herz zum Flattern bringt.

Ich empfand „Sing Street“ als herbe Enttäuschung und einen der ärgerlichsten Filme der letzten Monate. Ein um zeitgenössische Popmusik kreisendes Coming-Of-Age-Drama kredenzt John Carney da, das wirklich nicht ein Klischee, das man a priori von solch einem Film erwarten würde, ausspart. Da ist der musikverständige, libertine, ältere Bruder (Jack Reynor), der dem Protagonisten pubertären Halt und Trost spendet; da ist das modernisierungsfeindliche, klerikal geprägte Umfeld nebst bösartigem Rektor (Don Wycherley), das eine teenage rebellion geradezu heraufbeschwört. Selbst auf den guten, alten Skinhead-Bully (Ian Kenny), der bloß deshalb so eine arme, prügelnde Wurst ist, weil sein Alter ihn verdrischt und der am Ende natürlich zum Band-Roadie wird, mag „Sing Street“ nicht verzichten. Die erste, turbulente Liebe, die etwas geekigen Boys aus der Band. Garantiert alles da. Die Truppe, die Schwierigkeiten hat, sich einen schicken Namen zu verpassen, nimmt jede semialternative musikalische Welle mit und ändert dementsprechend Stil und Aussehen. Mal orientiert man sich an Duran Duran, mal an The Cure. Dass die Kids trotz ihrer Jugend und mangelnder Erfahrung beinahe so virtuos klingen wie ihre großen Vorbilder gehört zum ebenso naiven wie auf zuschauerlichen good will angewiesenen Rezept des Films. Als hätte sein Publikum all die vielen Filme um blutsverwandte Topoi, auf die „Sing Street“ mit seinem unerschütterlichen Selbstverständnis zurückgreift, noch nie gesehen, klebt Carney deren sämtliche Versatzstücke aneinander und baut darauf, das man das lau aufgebackene Konglomerat ob seiner ach so entwaffnenden Gutherzigkeit kritiklos schluckt. Manch einer mag sich davon geschmeichelt fühlen (die imdb-Durchschnittswertung finde ich ehrlich gesagt erschreckend), ich finde ein solch freimütig ausgespieltes Maß an Plagiatismus hart an der Grenze zur Unverschämtheit, wenn diese nicht bereits hinter sich lassend. Daran ändert selbst die Liebeserklärung an „Rio“ nichts.

3/10

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