THE LITTLE MERMAID

„Just look at her! On legs! On human legs!“

The Little Mermaid (Arielle, die Meerjungfrau) ~ USA 1989
Directed By: Ron Clements/John Musker

Arielle, Meerjungfrau und jüngste Tochter des Ozeankönigs Triton, ist fasziniert von der Kultur und Lebensart der Oberflächenbewohner. Eines Tages rettet sie dem menschlichen Prinzen Eric nach dem Kentern seines Schiffes das Leben und verliebt sich in ihn. Von nun an ist ihr sehnlichster Wunsch der, selbst ein Mensch zu werden, um Eric nahe sein zu können – ganz zum Unwillen des ob soviel Unvernunft erbosten Triton. Vermeintliche Unterstützung findet Arielle bei der bösen Meerhexe Ursula, mit der sie einen faustischen Pakt eingeht: Sie bekommt um den Preis ihrer glockenhellen Stimme ein Paar Beine und erhält drei Tage Zeit, dem Prinzen eine aufrichtige Liebesbekundung in Form eines Kusses zu entlocken. Gelingt ihr dies nicht, darf Ursula über Arielles Seele verfügen. Mit der Unterstützung ihrer Freunde, Krabbe Sebastian und Fisch Fabius, setzt Arielle alles daran, Eric für sich zu gewinnen. Doch Ursula spielt ein doppeltes Spiel…

„The Little Mermaid“ wird stets als Lieblingsexempel von Disney-Hassern herangezogen, wenn es darum geht, den respektlosen Kulturimperialismus des Studios zu schmähen. Natürlich basiert der Film auf Hans Christian Andersens traurigem Märchen von der Nixe, die ihre unstandesgemäße, „nicht artgerechte“ Liebe an einen Menschen verschwendet, der keine Augen für sie hat, dies am Ende mit dem Tode bezahlen muss und hernach als Luftgeist in den Äther eingeht. Solcherlei bleierne Morbidität darf es in einem kinderkompatiblen Zeichentrickfilm der Disney-Studios freilich nicht geben. Arielle hat also keine romantische Konkurrenz, das vom Prinzen idealisierte „Traummädchen“ ist sie selbst. Ihr Vater Triton ist nach dem Eingeständnis seines väterlichen Versagens bereit, sich an Arielles Statt für Ursula zu opfern, doch es kommt natürlich alles zu einem guten Ende, nachdem der noch viel monströser werdenden Meerhexe durch die Zusammenarbeit von Mensch und Meermensch und nach einer gewaltigen Schlacht endgültig der Garaus gemacht werden kann. Der Weg für Arielle und Eric ist frei. Man kann soviel nur mutmaßen, aber es ist durchaus möglich, dass diese Verformungen seiner aus stark persönlichen Motiven verfassten Geschichte Andersen sich im Grabe umdrehen ließen. Die kunstvolle Tragödie gerät zum bunten Zeichentrickschmus und verrät sich dabei gewissermaßen gleich selbst. Eine solch solipsistische Sichtweise aber wird „The Little Mermaid“ nicht gerecht, denn er steht für sich als kleines Kunstwerk einer ganz anderen Provenienz als seine Inspiration. Natürlich gibt es immensen Aufwand, Kitsch und Musik und vor allem viel Spaß nebst kindgerechtem Humor. Krabbe Sebastian etwa ist eine der tollsten Figuren des gesamten Disney-Universums, ob sie nun im Original von Samuel E. Wright oder kongenial auf deutsch von Joachim Kemmer besprochen und besungen wird, der sadistische, tötungsgeile Maître d‘ Louis ein Musterexempel zeichentrickischer Ausgelassenheit und die ebenso divaeske wie gemeine Ursula eine grandiose, maritime Nemesis. Die Liebesgeschichte zwischen Nixe und Mensch ist wunderhübsch romantisch erzählt und die Musiknummern gehören durch die Bank zum Besten, was es in einem Disney-Trickfilm je zu hören gab. Was, bitte, kann man da noch mehr verlangen?

10/10

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s