THE INFILTRATOR

„This was just an intitiation.“

The Infiltrator ~ UK 2016
Directed By: Brad Furman

Florida, 1985. Der Zollbeamte Robert Mazur (Bryan Cranston) ist Experte für Undercover-Einsätze, die die Offenlegung großer Kokain-Connections nach sich ziehen. Der Wink eines Informanten führt ihn zu Mitarbeitern des Medellín-Kartells und damit über einige Umwege mutmaßlich auch zu dessen oberstem Kopf Pablo Escobar. Unter dem Decknamen Bob Musella gibt sich Mazur als US-Großunternehmer aus, der seine Bereitschaft signalisiert, Escobars Drogengeld zu waschen und dafür die international agierende Bank BCCI in Anspruch nimmt, die ihm willfährig in die Karten spielt. Unterdessen nimmt Mazur, der sich immer tiefer in seine Rolle einlebt, direkt Verbindung mit Escobars engem Mitarbeiter Roberto Alcaino (Benjamin Bratt) und dessen Familie auf. Am Ende von Mazurs Einsatz stehen eine falsche Hochzeit, die Diskreditierung der BCCI und Alcainos Verhaftung.

„The Infiltrator“ hat alles, was ein ordentlicher Undercover-Thriller benötigt, den zusätzlichen Bonus authentischer Vorbilder inbegriffen. Da ist die zermürbende Pflicht, zwei gegensätzliche, in Interessenskonflikten befindliche Existenzen parallel führen zu müssen, die Zwiespaltung von Geist und Seele. Die Verlockungen und Verführungen des vorgetäuschten Scheincharakters werden immens; Geld und Luxus alltagsgebräuchlich, wo auf der Kehrseite der Medaille die alltagsgegerbte Gräue von Job, Ehe, Familie und Spießbürgertum lauern. Robert Mazur ist der Beamte, dem es obliegt, den Weg zur Sprengung eines der größten Drogenkartelle des Erdballs zu ebnen, Bob Muzella sein alter ego, ein Mann ohne Familie und mit ungeheuren finanziellen Mitteln, der auf der Rasierklinge tanzt und mit dem Teufel flirtet. Die Entscheidungsfindung welche der beiden Biografien die dankenswertere bietet, ist vor allem moralischer Natur. Tatsächlich nimmt man dem einmal mehr großartigen Cranston ab, dass er aller Faszination zum Trotze nie wirklich gefährdet ist, zur dunklen Seite hin abzudriften, dass sein Gerechtigkeitssinn nicht zuletzt auch infolge seines fortgeschrittenen Alters unbestechlich bleiben wird. Doch auch die latente Angst vor dem Auffliegen, dem Entdecktwerden bleibt unbenommen. Ein Lederköfferchen mit integrierter Abhöranlage dient als Aufzeichnungsmedium für entlarvende Gespräche. Einmal klappt der Koffer für eine Schrecksekunde in aller Öffentlichkeit auf; das Tonband wird sichtbar und nur ein völlig bedröhnter Escobar-Vertrauter (Yul Vazquez) nimmt das Ganze wahr. Um sich später daran erinnern zu können, fertigt er kurzerhand eine Zeichnung an. Vor allem Momente wie diese machen aus „The Infiltrator“ nicht nur einen guten, sondern einen großartigen Film, der mit schönen Kamerafahrten und Plansequenzen ebenso wie mit einer erlesenen Songauswahl seine Ehrerbietung in einschlägiger Richtung erweist, dabei jedoch auch glänzend für sich bestehen kann. Toller Film.

9/10

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