THE MAGNIFICENT SEVEN

„I have a proposition: We’re decent people being driven from our homes. Slaughtered in cold blood.“

The Magnificent Seven (Die glorreichen Sieben) ~ USA 2016
Directed By: Antoine Fuqua

Der Bandit Bartholomew Bogue (Peter Sarsgaard) hat sich das Minenstädtchen Rose Creek für seinen neuesten Coup ausgesucht: Er erpresst die Bürger und Arbeiter, ihm wahlweise ihren Besitz für ein Minimalangebot zu übertreten oder zu sterben. Die gestellte „Beratungsfrist“ nutzt die von Bogue kurzerhand zur Witwe gemachte Emma Cullen (Haley Bennett), um Hilfe von außerhalb zu mobilisieren. Diese findet sie in dem Söldner Sam Chisholm (Denzel Washington) und weiteren sechs mehr oder weniger zufällig dazustoßenden Glücksrittern, die die Bevölkerung von Rose Creek auf den nächsten, anstehenden Besuch von Bogue vorbereiten. Zudem hat auch Chisholm selbst noch eine alte Rechnung mit dem Bösewicht zu begleichen.

Dass Antoine Fuquas „The Magnificent Seven“ das Remake eines Remakes ist, entspricht im Prinzip nur der halben Wahrheit. Tatsächlich ist die bekanntermaßen ursprünglich von Akira Kurosawa ersonnene Mär um ein paar hilflose Geknechtete, die sich zur Bekämpfung gegen die diabolische Diktatur der Übermacht ein sehr heterogenes Septett aus Abenteurern zusammentrommeln, um sich mit dessen Hilfe vom Übel zu befreien, ein über die Jahrzehnte immer wieder und in verschiedensten Genres reaktiviertes Sujet, man denke etwa an „Battle Beyond The Stars“ oder „I Sette Magnifici Gladiatori“. Nach John Sturges‘ berühmter Erstvariation von 1960 ist der Stoff nun nach kleineren Zwischenspielen auch nominell abermals im Western angelangt, wobei Fuqua tatsächlich die Einfallslosigkeit einer bloßen Neuverfilmung umschifft, sondern glücklicherweise eine stark veränderte, lediglich ein paar Zwinkerer zum großen Vorbild bereithaltende Version vorschützt, ansonsten aber auf allzu hinderliche Anbiederung verzichtet. So gelingt es seinem „The Magnificent Seven“ nicht nur, vollkommen solitär zu bestehen, sondern darüberhinaus auch, dem Westerngenre als Ganzes eine formidable Frischzellenkur zu verabreichen, indem er sich auf die alten Tugenden der Gattung besinnt und diese, ohne sich selbst dabei über Gebühr wichtig zu nehmen, für ein gegenwärtiges Publikum aufpoliert. Außer ihrer schnellen Rechten und ihrer gemeinsamen Vorliebe für schwarzes Textil haben zunächst Yul Brynner und Denzel Washington als Anführer der Sieben augenscheinlich kaum etwas gemein; vor allem hinsichtlich ihrer jeweiligen Motivationslage nicht. Wo 1960 noch unbeholfene Farmer von jenseits der mexikanischen Genze Interventionsbeistand benötigten, tut die aktuelle Fassung gut daran, die Hilfsbedürftigen auf US-amerikanischem Boden zu belassen und zu Opfern großkapitalistischen Verbrechertums zu machen. Auch die Zusammensetzung der übrigen Streiter findet sich figural und charakterlich komplettrenoviert. Auffällig ist zunächst die multiethnische Varianz: ein selbstbewusster Afroamerikaner als Anführer; hinzu kommen ein Mexikaner (Manuel Garcia-Rulfo), ein Indianer (Martin Sensmeier) sowie ein Ostasiat (Byung-hun Lee). Den Rest stellen ein bibelfester, etwas entwurzelt wirkender Trapper (Vincent D’Onofrio), ein traumatisierter Bürgekriegsveteran (Ethan Hawke, wohl nur rein zufällig auf direkter Weiterreise nach „In A Valley Of Violence“) sowie ein gefährlich lebender Spieler (Chris Pratt). Men with problems. Nachdem die Gruppe zusammengefunden und einen ersten Schlag gegen Bogues Leute gelandet hat, gilt es, die Leute von Rose Creek zu überzeugten Verteidigern ihres Besitzes zu schulen und das interne Beziehungsgeflecht zu festigen. Dies alles geschieht nahezu ohne die üblich gewordenen Konfliktausbuchtungen – die Sieben erweisen sich auch hierin als echte professionals.
Ohne derlei Ballast bleibt viel Zeit für die Inszenierung von Kinetik und Action. Hier übertrifft sich Fuqua abermals selbst. Die diversen (Feuer-)Gefechte machen sich ebenso schnörkellos wie heftig und dabei bar jedweder redundanter Regie-Kinkerlitzchen. Ebenso wie bei den Vorgängern tut es weh, wenn die Helden abtreten müssen, wobei man hier wiederum Fuqua zugute halten darf, dass er sie weit weniger beiläufig sterben lässt als ehedem Sturges (mit Aufnahme von Charles Bronson natürlich).
Insgesamt eine sehr runde, sehr zufriedenstellende Angelegenheit, von der die Zeit zeigen wird, ob sie dereinst den filmhistorischen Rang des gleichnamigen Vorbildes wird einnehmen können.

8/10

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