THE HANGMAN

„I just want you to be happy.“

The Hangman (Der Henker) ~ USA 1959
Directed By: Michael Curtiz

Der verbissene Marshal Mac Bovard (Robert Taylor), wegen seiner hohen Erfolgsqute als „Henker“ berüchtigt, fahndet nach dem wegen seiner Beteiligung an einem Raubüberfall gesuchten John Butterfield. Nach intensiver Suche in einem beschaulichen Grenzstädtchen angekommen, glaubt er, Butterfield in dem Fuhrpark-Angestellten Johnny Bishop (Jack Lord) identifiziert zu haben. Trotz der Beteuerung sämtlicher Einwohner der Stadt, bei Bishop handele es sich um einen höchst integren Zeitgenossen und keinesfalls einen gesuchten Verbrecher, lässt Bovard sein Ziel nicht aus den Augen. Auch die Bishop besonders schützende Selah Jennison (Tina Louise) kann Bovard nicht von seinem Fanatismus abbringen. Als sich schließlich Bovards Vermutung als korrekt erweist, sieht er sich mit seinem persönlichen Gewissen konfrontiert.

Von subjektiver Wahrheit und Kohärenz berichtet Curtiz‘ schönes Spätwerk und vorletzter Western, der eine Menge der damals just in der Manifestation begriffenen Motive des Genres aufgreift und einmal mehr Blüten treiben lässt. Natürlich kommen einem vor allem Fords „The Searchers“ und Manns „The Naked Spur“ in den Sinn, beides Filme, die einen ganz privaten Fanatismus als pars pro toto in einen sehr viel größeren, bedeutsameren Kontext setzen. Es geht nämlich darum, dass der (Anti-)Held über seine zunehmende Verblendung hinaus eine Art von Erlösung erfährt, ein klein wenig Seelenheil, ein Zuhause vielleicht. Wo jedoch Ethan Edwards am Ende zu seinem eigenen Geist wird, einem Wanderer zwischen den Winden und sich, da sich die Tür zur Zivilisation letztmalig schließt, in der blutigen Historie des Landes auflöst, da gesteht Curtiz seinem Mac Bovard einen großen Teil Mehr an Erleuchtung zu. Man rechnet kaum noch damit, dass der ja nicht mehr ganz junge Bovard noch einmal in der Lage sein wird, seine Perspektive zu verrücken; vielleicht gar die Scheuklappen gegenüber der Welt, die er als zunehmend desolat und korrupt empfindet, zu öffnen. Da wird dann doch noch klar, dass es so etwas wie objektive Wahrnehmung nicht gibt und auch, dass er längst zu Wachs geworden ist in den Händen der jungen Schönen, die sich aller Widernisse zum Trotz auch in ihn verliebt hat und ihm schließlich im Zuge eines mehr denn verdienten happy end ihre eigene Zukunft anheim stellt. Es ist beinahe unerhört – der grimmige, alte Wolf, seit Jahren schon auf dem rechten Auge blind, ist wieder bereit, dazuzulernen, und das ausgerechnet von denkbar unerwarteter Seite aus; von einer Frau mit vielleicht halb so viel Lebenserfahrung, die seine Tochter sein könnte, mit der eine Romanze unmöglich scheint und alle beide doch längst umfangen hat. Curtiz macht daraus einen ganz minimalistischen Aufzug, fast ein Bühnenstück, schmucklos, mit nur wenigen Schauplatzwechseln und in obsolet werdendem Schwarzweiß. Dennoch fehlt es seinem Film an nichts, der ist ein Gewinner.

9/10

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