BEAU BRUMMELL

„A proud man can be just as foolish as a fool.“

Beau Brummell ~ UK/USA 1954
Directed By: Curtis Bernhardt

England zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Nachdem George „Beau“ Brummell (Stewart Granger) wegen einer eher eitlen Zurechtweisung des Thronfolgers George IV. (Peter Ustinov) aus dem Husarendienst scheidet, entschließt er sich, trotz seiner nichtadligen Herkunft die private Sympathie des designierten Monarchen zu erwerben und sich so in höchste gesellschaftliche Kreise einzuschmeicheln. Tatsächlich entwickelt sich zwischen den beiden ungleichen Männern eine innige Freundschaft, die jedoch später wieder an ihrem jeweiligen Dickkopf zerbricht. Auch Brummells große Liebe Lady Patricia Belham (Elizabeth Taylor) heiratet standesgemäß einen Anderen (James Donald). Hoch verschuldet, mittellos und allein fristet Brummell schließlich seine letzten Lebensjahre in Le Havre. Am Vorabend seines Todes durch Tuberkulose besucht ihn der mittlerweile zum König ernannte George IV. durch Zufall ein letztes Mal und schließt Frieden mit ihm.

Der Dandy – gibt es den eigentlich noch? Oder ist diese exklusiv männliche Ausprägung mittlerweile endgültig von uninteressanteren Neuströmungen wie dem „Hipster“ abgelöst und dem Tode überantwortet worden? Aber solcherlei zu diskutieren ist ohnehin nicht an mir. Als einer der ersten genuinen Dandys jedenfalls galt der Brite George Byron Brummell, Sohn eines Mittelklasse-Politikers, dessen exaltierte Bedürfnisse nicht mit seinem gebürtigen Stande vereinbar waren. Brummel pflegte nach eigenen Angaben allein für das Ankleiden täglich fünf Stunden aufzuwenden, seine Stiefel mit Champagner zu polieren und festgefahrene Modetrends zu lösen. Um solche Exzentrismen schert sich Bernhardts Film freilich weniger; sie passten auch kaum zu einem farbigen MGM-Kostümfilm jener Tage, der sich mit gänzlich anderen Publikumsewartungen zu arrangieren hatte – ganz im Gensatz zu Stewart Granger. Nach dessen überaus sauberem Karrierestart im Herkunftsland Königreich, das ihn vorzugsweise in Gainsborough-Produktionen verarbeitete, ließ er sich infolge des Quatermain-Films „King Solomon’s Mines“ 1950 von dem Löwenstudio unter Vertrag nehmen und trat in siebzehn Filmen der MGM auf. Bei diesen handelte es sich vornehmlich um farbenprächtige Genreware, Abenteuerfilme, Western, Geschichtsträchtiges und swashbucklers. „Beau Brummell“ setzte indes eher auf Grangers Charisma und Schauspielkunst denn auf Aktion oder Kinetik; mit Peter Ustinov erhielt der gebürtige Londoner hier zudem einen monolithischen Antagonisten, an dem er sich durchaus profilträchtig reiben und messen konnte. So ist „Beau Brummell“, gewissermaßen seinem Titelhelden entsprechend, vor allem ein ästhetischer Genuss, auf sein Zeitkolorit, ausgefeilte Kostüme und natürlich seine vorzügliche Darstellerriege setzend. Und diesbezüglich macht er das Meiste, wenn nicht gar alles richtig, obschon das Ende freilich historischer Unsinn ist. Immerhin starb der echte Brummel erst zehn Jahre nach George IV. und konnte somit vor seinem Dahinsiechen gewiss keinen versöhnlichen Besuch seines früheren Freundes mehr empfangen. Zumindest, wenn man nicht von einer eher fernliegenden, präfinalen Phantasie des Schwindsüchtigen ausgehen will.

8/10

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