DER REST IST SCHWEIGEN

„Er benimmt sich höchst seltsam.“

Der Rest ist Schweigen ~ BRD 1959
Directed By: Helmut Käutner

John H. Claudius (Hardy Krüger), Firmenerbe der Essener Claudius-Werke, kommt nach langen Jahren aus den USA zurück ins Ruhrgebiet, um seinem Onkel Paul (Peter van Eyck), mittlerweile Generaldirektor des Betriebs und neuer Ehemann von Johns verwitweter Mutter Gertrud (Adelheid Seeck), die Vollmacht für die Werksleitung zu übertragen. Vermeintlich zumindest, denn John hegt einen akuten, furchtbaren Verdacht: Er glaubt, dass Paul und Gertrud einst gegen den Vater (Siegfried Schürenberg) paktiert und dessen offiziellen Unfalltod zu verantworten haben. Während Johns Nachforschungen ihn der schrecklichen Wahrheit immer näher bringen, versucht Paul, den unliebsamen Neffen mit allen Mitteln für verrückt und somit unmündig erklären zu lassen…

Basierend auf Shakespeares monumentalem Drama „Hamlet“ (der Filmtitel entspricht Hamlets letzten Worten vor seinem Tode) übertrug Käutner jene Geschichte in stark entschlackter Form auf die Dynastie Krupp und ihre unrühmliche Geschichte als Waffenproduzent während des Dritten Reichs. Etliche Namen wurden von Shakespeare übernommen;  so gibt es neben den Hauptpersonen der Claudius-Familie einen Vertrauten Horace („Horatius“ Rainer Penkert), die Ballettmeister Krantz und Goulden („Rosenkranz“ Boy Gobert und „Güldenstern“ Richard Allan) oder eine psychisch labile Fee von Pohl („Ophelia“ Ingrid Andree). Dass sich das Ganze zum Ende hin weg von seinem historizistischen Ansatz hin zu einem relativ ordinären Kriminalfilm wandelt, stört wider Erwarten nicht weiter – es gelingt Käutner trotzdem, Pessimismus und Bitterkeit zu präservieren. John hat zwar dafür sorgen können, dass der Gerechtigkeit genüge getan und die schändliche Intrige seines Onkels aufgedeckt werden konnte; seine Familie jedoch und mit ihr alles, was sie einst groß machte, ist nun endgültig ruiniert und das weit über die zu zahlenden Reparationsleistungen infolge ihrer Kriegsschuld hinaus. Sanitätsrat von Pohl („Polonius“ Rudolf Forster) ist tot, Gertruds bleierne Schuld erwiesen, Fee ist ob des Todes ihres Vaters dem Wahnsinn anheim gefallen; John steht einsam und verlassen vor der winterlichen, leeren Villa seiner Ahnen. Und von Edgar Wallace schauen neben Siegfried Schürenberg noch Charles Regnier und Heinz Drache vorbei. Zumindest personell überschaubar war der Deutsche Film da noch.

8/10

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