STEINER – DAS EISERNE KREUZ, 2. TEIL

„Who ought to belive this anyway?“

Steiner – Das Eiserne Kreuz, 2. Teil ~ BRD 1979
Directed By: Andrew V. McLaglen

Nach seinem desaströsen Einsatz in Russland wird Feldwebel Steiner (Richard Burton) flugs an die Westfront beordert, wo die Alliierten soeben dabei sind, die Operation Overlord einzuleiten. Auch Steiners alter Rivale von Stransky (Helmut Griem) ist wiederum nicht fern. Nach einem kurzen Fronturlaub in Paris muss Steiner zurück ins Kampfgebiet, um ein strategisch wichtiges Dörfchen in der Provinz zu verteidigen. Sein alter Freund General Hoffmann (Curd Jürgens) eröffnet ihm derweil insgeheim, dass einige hohe Offiziere der Wehrmacht eine Verschwörung gegen Hitler planen und Steiner dazu auserkoren ist, dem gegnerischen General Webster (Rod Steiger) diese Nachricht zukommen zu lassen, um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden. Die US-Admiralität glaubt jedoch an eine Finte und schickt dennoch eine Panzerbrigade in das von den Deutschen gehaltene Dörfchen. Zeitgleich scheitert der Putsch und Hoffmann nimmt sich das Leben. Stransky, der von alldem nichts ahnt und nach wie vor ein Fanatiker ist, plant, die ganze Panzerdivision mittels unterirdischer Sprengladungen zu vernichten…

Die Filmhistorie vergisst gern, dass der unverwüstliche Wolf C. Hartwig, der wusste, wie man eine Kuh adäquat bis auf den letzten Tropfen zu melken hat, seinem von Sam Peckinpah inszenierten Riesenerfolg „Steiner – Das Eiserne Kreuz“ eine wiederum immens kostspielige Fortsetzung folgen ließ. Warum dieser amnesische Mantel? Darum: Nicht nur, dass „Steiner 2“ gnadenlos an den Kinokassen crashte, unterscheiden sich Original und Sequel hinsichtlich ihres Niveaus in etwa so, wie sich Peckinpah und McLaglen als Filmemacher unterscheiden. Eine philosophische Metaebene um preußische Arroganz und Gernegroßtum unter aristokratischen Wehrmachtsoffizieren, wie sie den Vorgänger auszeichnete, wird man hier vergeblich suchen. Vielmehr ist der zweite Teil, den nurmehr Klaus Löwitsch und Dieter Schidor in ihren vormaligen Rollen erlebten, nicht mehr oder weniger als ein kerniges Landser-Abenteuer, dass die schuldbelastete deutsche Seele  durch seine knuffigen Heldenakzente sogar ein klein wenig einzubalsamieren wusste. Mit Richard Burton, der im Prinzip viel eher seine Rolle als Söldner-Colonel Faulkner aus „The Wild Geese“ repetiert als auch nur im Mindesten den Versuch zu machen, seinen Vorgänger James Coburn anklingen zu lassen, stand McLaglen darüberhinaus nicht nur einer von mehreren vormaligen Kollaborateuren zur Seite. Ohnehin ist die Besetzung mindestens so erlesen und illuster wie die des Erstlings und rechtfertigt allein die Betrachtung des Films. Auch ist dieser keineswegs langweilig oder gar öde, obschon natürlich in seiner Struktur und Erzählweise überaus vorhersehbar und weitgehend überraschungsarm. Die düstere, bleierne, von latentem Wahnsinn infizierte Grundstimmung des Peckinpah-Films weicht hier eher der Betrachtung des Krieges als luftig-leichtes Männergeschäft, bei dem es auch mal was zu lachen gibt. Sicherlich zerfällt die Narration hier und da ins seltsam Episodische, was möglicherweise auf diverse Straffungen und/oder Kürzungen zurückzuführen ist, doch dies meinerseits rein mutmaßlich.
Als kleiner, aus dezidiert kinohistorischer Warte letzten Endes wohl tatsächlich „unbedeutender“ Beitrag zu der Gruppe vor allem in logistischer Hinsicht abenteuerlicher Filme über den Zweiten Weltkrieg kann sich, so mein Scherflein, „Steiner – Das Eiserne Kreuz, 2. Teil“ dennoch durchaus sehen lassen.

7/10

CALTIKI – IL MOSTRO IMMORTALE

Zitat entfällt.

Caltiki – Il Mostro Immortale (Caltiki – Rätsel des Grauens) ~ I 1959
Directed By: Riccardo Freda

Um den Grund für den großen Maya-Exodus im 9. Jahrhundert zu erforschen, reist Professor John Fielding (John Merivale) gemeinsam mit seiner Frau Ellen (Didi Sullivan) und einigen Kollegen in die mexikanische Ödnis, in die Nähe eines brodelnden Vulkans. Nachdem ein Expeditionsteilnehmer auf seltsame Weise zu Tode gekommen ist, werden die Eingeborenen nervös und Fielding hellhörig. Ein unterirdischer Tempel weist auf die uralte, unsterbliche Gottheit Caltiki hin, mit der Fielding alsbald unangenehme Bekanntschaft schließt: Bei Caltiki handelt es sich um ein gefräßiges, amorphes Wesen, das sich von Menschen ernährt und seine Opfer bis auf die Knochen aussaugt. Nur durch Feuer scheint die Kreatur sich bändigen zu lassen. Zurück in Mexiko City bekommt Fielding es dann mit gleich drei bedrohlichen Problemen zu tun: Sein Kollege und Freund Max Gunther (Gérard Herter), der von Caltiki angefallen und verstümmelt wurde, fängt an durchzudrehen, eine mitgenommenes Stück der Kreatur entwickelt neues Leben und ein Komet, auf den Caltiki höchst sensibel reagiert, passiert die Erde…

Fredas Monsterfilm, an dem auch Mario Bava emsig mitgewerkelt hat, ist ein echtes Liebhaberstück. Beeinflusst sowohl von den britischen Hammer-Vorläufern „X: The Unknown“ und „The Quatermass Xperiment“ als auch von dem bunten „The Blob“ schimmern immer wieder auch Anklänge an Lovecrafts Mythologiekonstrukt der „Großen Alten“ wieder: Caltiki entpuppt sich als eine uralte Kreatur außerirdischen Ursprungs, die durch ihren unaufhaltsamen Wuchs Menschheit und Erde bedroht. Wie es sich für einen veritables Monstervehikel jener Ära geziemt, wächst auch die Kraft Caltikis durch den Einfluss radioaktiver Strahlung – das weniger gallertartig denn nach überdiemsionalen Lederlappen aussehende Ungetüm ist insofern vor allem eine Replik auf den Zivilisationsstatus der es (oder vielmehr sie) erweckenden Tröpfe: Goldgier, Forschungsdrang und die geheimnisvolle Macht ungebändigter Naturkräfte ermöglichen erst das Wiedererwachen Caltikis, die seit Äonen gemütlich in ihrer vulkanischen Höhle vor sich hin gepennt hat und nun noch jeden Riesenaffen alt aussehen lässt.
Freda und Bava schaffen vor allem infolge überaus wirkungsvoller Tricks und Spezialeffekte (wobei ich zugeben muss, dass unförmige Wackelpudding-Aliens es mir seit jeher grundsätzlich angetan haben) Momente grandioser Schrecknisatmosphäre, die selbst kleine Albernheiten, wie den etwas unsinnigen Nebenplot um den von Caltiki infizierten Gunther, der immer verrückter wird, mit den Augen rollt, als gelte es, einen Wettbewerb zu gewinnen und zunehmend wirres Zeug daherstammelt, vergessen macht. Man spürt jederzeit und ganz deutlich, dass die beiden maestri ihre Sache ernst genommen und der möglicherweise einen oder anderen eher bescheidenen Bedingung zum Trotze gute Arbeit abzuliefern gedachten. Was ihnen gelang.

8/10