NIGHT OF THE JUGGLER

„You’ve picked the wrong kid!“

Night Of The Juggler (Die Ratte) ~ USA 1980
Directed By: Robert Butler

Irrtümlich entführt der geistesgestörte Gus Soltic (Cliff Gorman), ein sich im Stich gelassen fühlendes Opfer der desolaten New Yorker Wohnungsbaupolitik, Kathy (Abby Bluestone) die Tochter des Ex-Polizisten Sean Boyd (James Brolin). Soltic hatte es eigentlich auf das Kind des Immobilienhais Clayton (Marco St. John) abgesehen, dem Kathy dummerweise immens ähnlich sieht. Wie ein Berserker setzt Boyd umgehend alles daran, Kathy zu befreien und stellt dabei halb Manhattan auf den Kopf. Ein zusätzliches Hindernis findet sich in der Person von Sergeant Barnes (Dan Hedaya), den Boyd einst der Korruption bezichtigte und der sich für seinen Karriereknick an Boyd rächen will…

Ein wildes Stück Film, ein wenig passend zu seiner eigenen Entstehungsgeschichte. Ursprünglich hatte Sidney J. Furie das gute Stück inszenieren sollen, verzichtete jedoch, nachdem James Brolin sich bereits in einer frühen Drehphase den Fuß brach und einen Gips tragen musste. Furie verließ das Projekt und wurde nach einer Drehpause von Robert Butler ersetzt. Brolins Verletzung merkt man dem fertigen Werk nicht an. Der Gute jagt und hetzt unermüdlich durch beinahe den gesamten Film, oft nur ein paar Meter von Soltic und seiner Tochter entfernt. Das währenddessen präsentierte New York gleicht einer entmilitarisierten Zone. Schmutzige Häuserschluchten, die 42nd Street nebst einem ziemlich widerlichen Peepshow-Club und vor allem die blöckeweise in Trümmern liegende West Side geben einen geradezu vorzüglichen Eindruck der Ära Mayor Ed Koch wieder, während dessen elfjähriger Amtszeit die Metropole sich ihren Ruf als riesiges Rattenloch zwischen Yuppie- und Junkietum ganz wunderbar auspolsterte. Perfekte companion pieces zu „Night Of The Juggler“ wären somit „The Warriors“, „Wolfen“ oder „Fort Apache, The Bronx“, die ebenfalls ebenso spannende wie desolate Bilder Manhattans um die Dekadenwende präsentierten, von den großen Undergroundfilmen von Ferrara über Hennenlotter, Lustig und Glickenhaus einmal ganz zu schweigen. Das hier war und ist der wahre Jakob! Ein Wiedersehen mit Richard „Clemenza“ S. Castellano als etwas phlegmatischem, aber gutherzigem Polizei-Lieutenant macht da ebensolche Freude wie der Auftritt von Mandy Patinkin als durchgedrehtem Taxifahrer und natürlich der des berserkernden Dan Hedaya, der sich noch verrückter gebärdet als der main villain, Gus „The Mole“ Soltic. Dass dieser nebenbei tatsächlich nicht ganz auf der Fährte sein kann, merkt man übrigens bereits ziemlich früh, da sein Entführungsopfer ja permanent nach „Daddy“ James Brolin ruft und somit gar nicht die Richtige sein kann. Aber am Ende wird ja Liebe draus, was so Manches erklärt und „Night Of The Juggler“ zusätzlich um ein gutes Pfund Abgründigkeit anreichert.
Wann kommt nochmal die Blu-ray?

8/10

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