CHARLIE BRAVO

Zitat entfällt.

Charlie Bravo (Strafkommando Charlie Bravo) ~ F 1980
Directed By: Claude Bernard-Aubert

Indochina, 1954. Dien Bien Phu ist gefallen, die Erlösung versprechende Indochinakonferenz bereits anberaumt. Eine Gruppe französischer Soldaten unter Lieutenant Brissac (Bruno Pradal) erhält in dieser späten Kriegsphase den Auftrag, die von den Viet Minh gekidnappte Krankenschwester Catherine Fournier (Karina Verlier) zu befreien und sich gemeinsam mit ihr durch das Feindgebiet zurück hinter die eigenen Linien zu schlagen. Unterwegs stößt noch ein Kriegsjournalist (Jean-François Poron) zu ihnen. Während ihres Einsatzes bringen Friedensverhandlungen in Genf dann das offizielle, ersehnte Ende des Krieges. Dennoch gelingt es den Wenigsten, sich bis zur vermeintlich rettenden Küste durchzuschlagen…

Ein Dschungelkriegsfilm aus Frankreich, das ist gewissermaßen schon eine filmhistorische Rarität. Ihr rund siebzig Jahre zurückliegendes Engagement im damaligen Indochina haben unsere Nachbarn nämlich weitaus rarer zu Kinozwecken ausgeschlachtet denn die Amerikaner ihr zum Trauma gewordenes, entsprechendes. So fiel „Charlie Bravo“, ob zufällig oder nicht, just in eine frühe Phase elementarer US-Vietnamfilme, die gerade kurz davor war, sich in eine neue, reaktionärere Woge zu stürzen. Charaktere und Setting erweisen sich tatsächlich flugs als austauschbar, was in einem vor allem in dieser Region angesiedelten Kinostück der Qualität keineswegs abträglich sein sollte. Wiederum findet sich das bereits mehrfach ausgeschlachtete My-Lai-Massaker (die Soldaten mähen ohne zu zögern und mit mühselig im Zaum gehaltener Mordlust das Dorf nieder, in dem sich die entführte Catherine befindet) zum Thema gemacht, wiederum das unsinnige bis obskure Sterben einer kleinen, okzidentalen Männergruppe am lebensfeindlichen Ende der östlichen Welt zentralisiert. Dennoch macht Claude Bernard-Auberts ruppiger Film, den er inmitten einer umfassenden Serie von rund dreißig Pornos inszenierte, Vieles sehr richtig. Er ist etwa sehr vorsichtig und zurückhaltend in der Verteilung von Sympathien. Die Identifikation des Zuschauers mit einem der Männer erweist sich als unmöglich; sie alle sind wahlweise zu verroht, nationalistisch oder auch einfach zu sehr der Situation angepasst, um sich ihnen zur Seite zu stellen. Auf den edlen, sich aufopfernden Offizier muss man ebenso verzichten, wie auf den insgeheim pazifistischen Gefreiten am Ende des Glieds, wenngleich Brissac buchstäblich alles in seiner Macht stehende für seine Leute tut.
Als unschöner bis derber, nüchterner und seinen Bestrebungen damit überaus gerecht werdender Kriegsfilm ohne Schnörkel mit einigen unvergesslichen Momenten ist „Charlie Bravo“ ein unbehauenes, oft übersehenes Juwel seiner höchst spezifischen Provenienz, das hervorzukramen sich lohnt.

7/10

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