GET OUT

„This bitch is crazy!“

Get Out ~ USA 2017
Directed By: Jordan Peele

So wirklich Lust, seine Schwiegereltern in spe kennenzulernen hat Chris (Daniel Kaluuya) nicht; hält er selbst es doch noch immer für keine Selbstverständlichkeit, dass ein dunkelhäutiger Typ wie er eine weiße Freundin wie Rose (Allison Williams) ausführt. Dennoch steht ein Wochenende in der Provinz auf dem Plan, in dessen Zuge man Roses alte Herrschaften Dean (Bradley Whitford) und Missy Armitage (Catherine Keener) in ihrer großzügigen Villa einen Besuch abstattet. Zwar geben die beiden sich als betont liberal, sind Chris jedoch trotz aller Bemühungen kreuzunsympathisch. Auch die beiden farbigen Hausangestellten, Gärtner Walter (Marcus Henderson) und Georgina (Betty Gabriel), Mädchen für Alles, erwecken ungute Assoziationen bei Chris. Noch bizarrer wird die Situation, als die Armitages ihr alljährliches Gartenfest ausrichten: Die Gäste scheinen durch die Bank etwas zu verbergen. Als Chris endlich die ihn umspielende Scharade durchschaut, ist es bereits zu spät…

In der Tradition der Geschichten von Ira Levin findet sich diese gleichermaßen schwarzhumorige wie spannende, moderne Rassismusallegorie, die auf grandios-treffende Weise das neoliberale Verständnis von „gelungener Integration“ überspitzt und zu einer brillanten Genrefarce schmiedet. Vor allem „The Stepford Wives“ blinzelt aus jeder Pore von „Get Out“ hervor; wie Levins sich ungebrochener Aktualität erfreuende Story der Frauenbewegung annahm, nimmt „Get Out“ den (amerikanischen) Alttagsrassismus aufs Korn. Dabei ist Jordan Peele glücklicherweise viel zu intelligent, um eine bloße Ku-Klux-Klan-Fabel zu erzählen und fanatische Neonazis Jagd auf hilflose Schwarze machen zu lassen. Seine postmodernen Rassisten entstammen ausschließlich der weißen Elite jenseits der 50, die die unhaltbaren Vorurteile ihrer Ahnen längst abgelegt haben und die den Afroamerikaner an und für sich vielmehr als physisch begütert, um nicht zu sagen, als erstrebenswerte Hülle betrachten. Dean Armitage, in der Tradition seines Vaters ein versierter Hirnchirurg, hat daraus einen einzigartigen Geschäftszweig für dekadente Eingeweihte kultiviert: Er überträgt die Hirnmuster eines durch natürliche Faktoren zum Tode verurteilten oder sonstwie körperlich beeinträchtigten weißen Seniors – des Meistbietenden freilich – auf die eines jungen, gesunden Schwarzen, dessen eigene Persönlichkeit dabei nahezu völlig in den psychischen Hintergrund gedrängt wird. Die elementare Aufgabe der überaus attraktiven Rose ist es dabei, die unfreiwilligen Probanden ins Haus der Armitages zu locken, wo die entsprechende Operation dann stattfinden kann. Glücklicherweise ist Chris, nachdem er bereits in der Falle sitzt, noch immer wehrhaft genug, um sich aus dem Horrorszenario freizukämpfen.
Jordan Peele hat mit „Get Out“ eine exzellente Mixtur aus Sozialsatire und klassischem Horrorkino geschaffen, die die bedauerlicherweise noch immer gegenwärtige Segregationsproblematik auf ebenso flüssige wie schlüssige Weise mit dem traditionsbeflissenen Motiv des mad scientist verbindet. Frankensteins kleines Rassistenlabor – brillant!

9/10

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