SULLY

„I’ve never been so glad to be in New York.“

Sully ~ USA 2016
Directed By: Clint Eastwood

Der Flugzeugkapitän Chesney Sullenberger (Tom Hanks), genannt „Sully“ und sein Co-Pilot Jeff Skiles (Aaron Eckhart) müssen vor einem NTSB-Komitee aussagen, nachdem sie gezwungen waren, einen Airbus A320 infolge Vogelschlags kontrolliert auf dem Hudson River zu wassern. Obwohl sämtliche der 155 Insassen des Flugzeugs den Unfall wie durch ein Wunder überleben, mag das NTSB den beiden Piloten die Geschichte von der unbedingt notwendigen Landung auf dem Fluss nicht glauben, da sich doch gleich zwei Flughäfen in relativer Nähe befunden hätten. Tatsächlich versucht man, Sully und Skiles gezielt menschliches Versagen nachzuweisen und läst dafür mehrere Simulationen durchlaufen. Am Ende lassen die Damen und Herren sich jedoch überzeugen, dass keine noch so exakte Simulation einer realen Notlage nachempfunden werden kann.

Ein weiteres Qualitäts-Alterswerk des wahrscheinlich größten lebenden amerikanischen Filmemachers. Man mag von Clint Eastwood als Mensch halten, was man will – sein Support für die republikanische Partei etwa, vor einigen Jahren durch ein etwas wirr erscheinende Rede in nicht eben vorteilhafter Weise augenfällig geworden, nimmt sich wenig schmackhaft aus und lässt eher fragwürdige Assoziationen aufkeimen. Dennoch ist der letzte Woche 87 Jahre alt gewordene Eastwood ein Ausnahmekünstler, der von Film und filmen mehr, um nicht zu sagen wesentlich mehr versteht als 99 Prozent seiner KollegInnen. Dies beweist vor allem sein Œuvre als Regisseur, das binnen bislang 46 Jahren und bei 35 Einträgen nicht ein auch nur durchschnittliches Werk beinhaltet. Zwar ist seine reaktionäre Ideologie in den Achtzigern kurzzeitig etwas mit ihm durchgegangen, diese Phase hat sich jedoch glücklicherweise wieder recht schnell überlebt. „Sully“ entspricht stofflich und thematisch recht exakt Eastwoods jüngerer Linie, die zu großen Teilen aus Biopics und/oder der Aufbereitung wundersamer Ereignisse der jüngeren amerikanischen Geschichte besteht. Es handelt sich zudem um seine erste Zusammenarbeit mit Tom Hanks, der sich als ideal für die Porträtierung der Titelrolle erweist und auf dessen Kerbholz von der Kooperation mit großen US-Filmemachern er einen weiteren, immens wichtigen Einschnitt hinzufügen kann. In ökonomischen 96 Minuten Erzählzeit berichtet „Sully“ also die Geschichte jener wundersamen Wasserlandung am Nachmittag des kalten 15. Januar 2009, die durch eine beispielhafte Gemeinschaftsleistung von etlichen Rettungskräften und Helfern zu einem rundum glücklichen Ausgang gebracht werden konnte. In der sich anschließenden Ermittlung des National Transportation Safety Board, das sich mit dem raschen happy end der Affäre nicht einverstanden zeigte und stattdessen den kostenintensiven Verlust des Flugzeugs monierte, wähnt der Film gewissermaßen einen wenig ehrenhaften Versuch kapitalismusnaher Lobbyisten, Heldentum und Integrität zu unterminieren, was durch gewisse Selbstzweifel Sullenbergers, die sich in traumatischen Schüben äußern, noch intensiviert wird. Dennoch triumphieren schließlich Moral und wahre Größe – Termini, die man in diesem Falle sogar gern und berechtigt in den Mund nimmt. 

8/10

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