RULES DON’T APPLY

„What about my auditioning?“

Rules Don’t Apply (Regeln spielen keine Rolle) ~ USA 2016
Directed By: Warren Beatty

Hollywood 1958: Der exzentrische Milliardär Howard Hughes (Warren Beatty) lässt sich in der Filmstadt nieder, um dort mit seiner RKO neue Projekte zu stemmen. Dafür lässt er unter anderem junge Provinzschönheiten aus allen Teilen des Landes einfliegen, die eine komfortable Bleibe und ein Festgehalt bekommen, während sie vor Ort in „Wartestellung“ zu verbleiben haben. Eine davon ist die Baptistin Marla Mabrey (Lily Collins) aus Virginia. Während Marla fest daran glaubt, eine Chance als kommender Filmstar zu haben, bahnt sich eine zarte Romanze zwischen ihr und dem nicht minder naiven exklusiv für Hughes arbeitenden Chauffeur Frank Forbes (Alden Ehrenreich) an. Ein alkoholisiertes, nächtliches Techtelmechtel zwischen Hughes und Marla hat schwerwiegende Folgen für sie, während Frank, im festen Glauben an eine gemeinsame Zukunft mit Marla, seine bisherige Verlobung löst. Ohne von ihr die Wahrheit zu erfahren, wird Frank wiederum von Marla fallen gelassen, steigt seinerseits jedoch zu einem engen persönlichen Vertrauten Hughes‘ auf und lernt die zahllosen Marotten des zunehmend entfesselten Superreichen quasi hautnah kennen. Erst einige Jahre später kann auch er dem übermächtigen Schatten des Moguls entsteigen.

Für den New-Hollywood-Veteranen Warren Beatty, der bereits seit rund vier Dekaden mit dem Wunsch nach einem Biopic über Howard Hughes schwanger ging und bereits einige Erfahrung mit der darstellerischen Interpretation schillernder authentischer Figuren hatte, ist seine jüngste Regiearbeit die fünfte binnen 38 Jahren und die erste seit 1998. Dass der Mann auf keinem seiner bevorzugten Kreativareale an Können eingebüßt hat, beweist „Rules Don’t Apply“ nachgerade: Der Film ist eine ebenso lustvolle wie verschmitzte Hommage an Hauptfigur und Ära. Beattys Hollywood der Spätfünfziger und Frühsechziger ist ein bonbonfarbenes Perversikum der dämmernden Studioära, der entfesselten, alternden Tycoons und ihrer Obsessionen. Dabei lässt Beatty himself es sich nicht nehmen, dem bereits zu dieser Zeit psychisch schwer angegriffene Hughes, just im Begriff, vom Management der TWA verklagt zu werden, von Medikamentenmissbrauch gezeichnet und irgendwo zwischen bipolarer und Angststörung vegetierend, höchstpersönlich sein Antlitz zu leihen. Mancherlei Assoziation an seine Interpretation des Bugsy Siegel in Levinsons Film von 1991 verschaffen sich da Raum, wenn Hughes sich ebenso wie einst der Gangster sich zielgerichtet in die Sackgasse narzisstischer Egomanie manövriert, um dort zusehends zu verwelken. Anders als Scorseses „The Aviator“ ist Beatty dabei nicht an biographischer Akkuratesse interessiert. Er nutzt Eckdaten und Episoden lediglich, um eine fiktionale Anekdote mit und über Hughes zu erzählen, in der selbiger zwar eine Schlüsselposition einnimmt, die eigentlich jedoch dem von ihm behinderten Liebespaar Marla und Frank gewidmet ist. Schon die Doppelinitialen ihrer beider Namen suggerieren eine gewisse, romantische Märchenhaftigkeit, die sich dann auch zunehmend und besonders zum Finale hin Bahn bricht.
Ein wunderhübsches Alterswerk ist „Rules Don’t Apply“, frei vom Ballast kommerzieller Erwartungshaltungen und auch sonst so flügge, wie ein Hollywoodfilm anno 16 überhaupt nur sein kann.

9/10

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