CARSON CITY

„Never fight your own battles when you can get somebody else to.“

Carson City (Sabotage) ~ USA 1952
Directed By: André De Toth

Um seine Goldtransporte besser vor der ihn permanent ausnehmenden, maskierten „Champagner-Bande“ sichern zu können, will der Minenbesitzer Sharon (Larry Keating) gemeinsam mit der Bank eine Eisenbahnstrecke von Virginia City nach Carson City bauen und engagiert dafür den Ingenieur Jeff Kincaid (Randolph Scott). Dieser hat in Carson City noch einige alte Bekannte und lässt sich daher zu dem lukrativen Job überreden. Vor Ort bekommt es Kincaid nicht nur mit dem heimlichen, intriganten Stadtoberhaupt Big Jack Davis (Raymond Massey), dem heimlichen Kopf der Champagner-Bande, sowie dem allgemeinen Widerstand der Provinzler zu tun, sondern zudem mit seinem eifersüchtigen Stiefbruder Alan (Richard Webb), der nicht verkraften mag, dass seine Jugendliebe Susan (Lucille Norman) sich deutlich mehr über Jeffs unerwartete Rückkehr freut, als sie zugeben möchte.

Der zweite Film aus dem sechsteiligen Westernzyklus, den der aus Ungarn emigrierte André De Toth binnen drei Jahren jeweils mit Randolph Scott in der Hauptrolle inszenierte. Während die späteren, unter Budd Boetticher entstandenen Arbeiten aus Scotts Produktionsschmiede Ranown bereits seit Jahrzehnten (und vor allem infolge der Lobhudeleien diverser Cahiers-Mitarbeiter) ziemlich gewaltige Meriten genießen, waren De Toths Scott-Western stets etwas stiefmütterlicher Betrachtung unterworfen. Was etwas schade ist, denn wenngleich sie größenteils gewiss der psychologischen Metaebene der Boettichers entbehren, bilden sie doch als Beispiele makelloser Handwerkskunst und stets versehen mit gattungsmythologischem Unterbau für den Genre-Chronisten unverzichtbare Mosaikstückchen. In „Carson City“ ist es einmal mehr die Eisenbahn, die einen Teil Zivilisation gen Westen tragen soll; weil die Postkutschen auf den unwegsamen Gebirgsstrecken immer wieder überfallen werden (wobei die Banditen, indem sie den Beraubten nach vollbrachter Tat gewohnheitsmäßig gutes Essen und Champagner servieren,sich zumindest deutlich kultivierter zeigen als die meisten anderen Zeitgenossen), soll in Bälde das Eiserne Pferd rollen. Dass auch jenes oftmals Ziel krimineller Umtriebe werden sollte, ist hier Nebensache. Man hat zu Beginn sogar noch ein Herz für Raymond Massey als leicht dandyfiziertem Chef der Champagner-Bande – der Mann scheint trotz seiner illegalen Aktivitäten ein Herz für nostalgische Romantik zu haben und stilisiert sich und seine Männer gern zu einer Art Wildwest-Robin-Hood. Mit Randolph Scotts Eintreffen und damit zugleich der unausweichlichen Ankündigung des Fortschritts wendet sich jedoch das Blatt. Davis‘ von Antastung unbedrohter Thron gerät ins Wanken und der Sechsschüsser wird gezückt. Gerade diese subtile Betrachtung der angelaufenen Frontier-Dublone von zwei Seiten ist es, die „Carson City“ zu etwas Besonderem macht.

8/10

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