T2 TRAINSPOTTING

„World changes. Even if we don’t.“

T2 Trainspotting ~ UK 2017
Directed By: Danny Boyle

Über zwanzig Jahre, nachdem er einst seine Freunde über den Tisch gezogen hatte, kommt Mark Renton (Ewan McGregor) zurück nach Edinburgh. Zwischenzeitlich hat er in Amsterdam gelebt, eine Ehe in den Sand gesetzt und kürzlich einen Herzinfarkt überlebt. Immerhin den Drogen hat er seit Langem entsagt. Nun sind erwartungsgemäß weder Spud (Ewen Bremner), noch „Sick Boy“ Simon (Johnny Lee Miller) und schon gar nicht der just aus dem Knast geflohene Begbie (Robert Carlyle) gut auf Renton zu sprechen, ganz im Gegenteil. Zumindest Spud, noch immer Junkie und mittlerweile Vater, kann Renton vor dem Suizid retten. Simon hält es mittlerweile mit dem Kokain und sich selbst mit allerlei krummen, aber wenig erfolgreichen Geschäften über Wasser. Seine wesentlich jüngere Freundin Veronika (Anjela Neldyakova) indes gefällt auch Renton ganz gut. Begbie muss zu seinem Leidwesen erkennen, dass sein erwachsener Sohn (Scot Greenan) leider so gar nichts von der kriminellen Energie seines alten Herrn geerbt hat und hat schwer daran zu knabbern. Als dieser mitbekommt, dass Renton zurück in Leith ist, sinnt er auf tödliche Rache für die einstige Schmach.

Ein Film der gepflegten Resignation. So wie sich seit dem abrissbirnenartig-rasanten Original von 1995 die Außenwelt gewandelt hat, ist mit seinen Erfindern auch der Figurenkosmos von Irvine Welsh und Danny Boyle gealtert. Der relativ beliebige Effekt ist eine im Vergleich zur literarischen Fortschreibung leicht verjährte Fortsetzung, die eben so aussieht, wie sie jetzt aussieht, ebenso gut aber auch völlig anders hätte arten können – was man ihr, und darin liegt ein gewisser Knackpunkt, permanent anmerkt. Die einstige Wildheit, der Lebens- und Todeshunger, der ständige Tanz auf der Rasiermesserklinge mitsamt allerlei mehr oder weniger appetitlichen Fügungen, den schlimmen Verlusten und dem stampfenden Sound ist, analog zum fortgeschrittenen Alter der Protagonisten einer sehr viel gemächlicheren Gangart gewichen. So wie Renton nach seinem Herzinfarkt kürzer tritt, entschleunigt sich auch die „Trainspotting“-Realität, mit dem etwas leidigen Effekt der offensiv praktizierten Demystifizierung der „neuen Helden“. Der Nebenplot um einen von Simon geplanten Saunaclub, sprich, ein Bordell, der ihn und Renton mit der hiesigen Mafia konfrontiert, begleitet von einem allseitigen Dahinplätschern, wirkt da wie ein recht erzwungenes Füllsel. Die einstige, in ihrer Destruktivität immerhin konsequent gelebte Subkultur ist großen Fragezeichen des Wohins gewichen, einer etwas ziellosen Reise durch den biographischen Spätsommer gewissermaßen. Diese versöhnt eigentlich nur insofern, als dass man jetzt eben weiß wo es seit damals hingegangen ist mit Renton, Spud, Sick Boy und Begbie, deren Schicksale jetzt, auch das ein Nebeneffekt des Älterwerdens, nurmehr lose miteinander verbunden sind und dementsprechend sehr viel episodischer berichtet werden. Immerhin die Geschichte um Begbie, der als einziger der damaligen Clique seinen delinquenten, gewalttätigen Weg unbeirrt weiter gegangen ist, birgt noch emotionale Ankerhaken. Wie er sich völlig unfähig zeigt, zu akzeptieren, dass nicht nur er (zumindest körperlich), sondern auch die Zeiten sich geändert haben und dass sich selbst mit seinen hilflos-brachialen Lösungsversuchen diese Tatsachen nicht umstoßen lassen, das hat etwas zutiefst Rührendes, ebenso wie die als recht schöner Kreisschluss angelegte conclusio.

7/10

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