L’ARMA, L’ORA, IL MOVENTE

Zitat entfällt.

L’Arma, L’Ora, Il Movente (Die Waffe, die Stunde, das Motiv) ~ I 1972
Directed By: Francesco Mazzei

Der katholische Geistliche Don Giorgio (Maurizio Bonuglia) wird ermordet. Der ermittelnde Commissario Boito (Renzo Montagnani) findet nach und nach heraus, dass das Opfer, ein gutaussehender, junger Mann, es mit seinem heiligen Zölibat nicht immer allzu genau nahm. Weder die gut sichtbaren Spuren der Selbstkasteiung, noch die eingängigen Ermittlungen in Don Giorgios unmittelbarem Bekanntenkreis verhelfen Boito jedoch zu einem schlüssigen Ergebnis. Auch der kleine, verwaiste Klosterschülert Ferruccio (Arturo Trina), der offenbar mehr weiß, als er zu sagen bereit ist, gibt zusätzliche Rätsel auf. Derweil verliebt sich Boito in die Krankenschwester Orchidea (Bedy Moratti), die Don Giorgio ebenfalls gut kannte.

Einen sonderlich eleganten Film hat Einmal-Regisseur Francesco Mazzei mit seinem im Kirchenmilieu spielenden Kriminalfilm nicht eben vorgelegt. Denkt man an die extrem durchstilisierten, breitwandigen und farbsatten Fieberträume von Argento, Martino oder Fulci, die zurselben Zeit bei dezidiert psychedelischer Gestalt über die Leinwände waberten, bleibt einem im Vergleich dazu hier nurmehr die Kehrtwende zur erdgebundenen Normalität. Weder gleichen die hierin auftretenden Damen ätherischen Schlangenwesen, noch nehmen sich die Kerle als tolle Sexprotze aus; poppige Requisiten, Räume und Mobiliare wird man ebenso vergebens suchen wie die obligatorische Flasche J&B oder auch bloß einen vertrauenerweckenden Fernet. Die Protagonisten wirken fast durch die Bank wie stinknormale Leute von der Straße und statt überhöhtem Glamour gibt es hier eine gewisse Mahnung an neorealistische Zeiten. Bis auf eine recht delirante Sequenz, in der eine Gruppe Nonnen den toten Don Giorgio quasi inoffiziell heilig spricht und seine Selbstzüchtigung mit der Peitsche bis zur Besinnungslosigkeit nachvollzieht, muss man auf visuelle (und auch akustische) Extravaganzen weithin verzichten. Stattdessen konzentriert sich „L’Arma, L’Ora, Il Movente“ auf eine gepflegte Katholizismuskritik und buht den klerikalen Filz der Gegenwart als verlogen und obsolet aus. Das ist sicherlich aller Ehren wert, langt aber nicht ganz, um Mazzeis Film zu einer wirklich formvollendeten Sternstunde werden zu lassen.

7/10

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