IVANHOE

„Beware of powerful men! They spawn unspeakable whelps.“

Ivanhoe ~ UK 1997
Directed By: Stuart Orme

1192 ist England infolge von König Richards (Rory Edwards) Kreuzzug innenpolitisch stark geschwächt. Normannen und Angelsachsen stehen sich feindlich gegenüber und Richards Bruder John (Ralph Brown), der die Regierungsgeschäfte übernommen hat, weil Richard in Österreich festgesetzt wurde, findet vor allem infolge seiner intriganten Herrschsucht keine Akzeptanz im Volk. Der ebenfalls als verschollen geltende Wilfred von Ivanhoe (Steven Waddington), der Richard einst nach Jerusalem gefolgt ist, wurde von seinem halsstarrigen Vater, dem angelsächsischen Adligen Cedric (James Cosmo) verstoßen. Heimlich kehrt Sir Wilfred auf die Insel zurück, um sich von den Zuständen vor Ort ein Bild zu machen. Seine Jugendliebe Rowena (Victoria Smurfit) soll verheiratet werden und ein normannischer Tross rund um die Tempelritter Bois-Guilbert (Ciarán Hinds), de Bracy (Valentine Pelka) und Front de Boeuf (Nick Brimble) intrigiert heftigst gegen die Sachsen. Sir Wilfred macht die Bekanntschaft des jüdischen Financiers Issac von York (David Horovitch) und seiner Tochter Rebecca (Susan Lynch), die ihm wohlgesonnen sind. In cognito tritt er daraufhin bei einem Turnier an und besiegt sämtliche Gegner. Als sich daraufhin der Streit zwischen Sir Cedric und Bois-Guilbert weiter zuspitzt und es zu einer Entführung kommt, sichert sich Ivanhoe die Unterstützung des Gesetzlosen Robin von Locksley (Aden Gillett) und seiner Waldläufer und zieht gegen Bois-Guilbert ins Feld. Klammheimlich mischt sich auch der mittlerweile zurückgekehrte König Richard unter die Kämpfenden. Doch es erfolgt nur ein Teilsieg: Die ebenfalls gekidnappte Rebecca gerät in die Hände eines Templerordens, dessen fanatischer Anführer Lucas de Beaumanoir (Christopher Lee) ihr den Hexenprozess macht…

Diese sechsteilige Miniserie der BBC gilt gemeinhin als werkgetreueste Verfilmung der Rittermär nach Walter Scott und wirkt zumindest im Vergleich zur kunterbunten 1952er-MGM-Version von Richard Thorpe tatsächlich um Einiges authentischer und entschmachteter. Was nicht heißen soll, dass ich sie deswegen bevorzöge; Robert Taylor in glänzender Rüstung ist und bleibt ein kultureller Archetypus. An Taylors Flamboyanz jedenfalls kann Steven Waddington, der hier den Titelhelden mit wildem Krauskopf und Zauselbart wohl sehr viel zeitgemäßer erscheinen lässt, ganz gewiss nicht rütteln. Überhaupt bietet sich ein Vergleich der völlig unterschiedlichen Form wegen kaum an. Eines der erklärten Kreativziele des Regisseurs Stuart Orme dürfte es vielmehr gewesen sein, ein annähernd dokumentarisches Bild dieser für England schicksalhaften, mittelalterlichen Periode zu entwerfen: Das einst so stolze Land findet sich zerrüttet inmitten ethnischer Reibereien, von Glaubensirritationen und den intriganten Machtspielchen bei Hofe, die vor allem aus dem brüderlichen Zerwürfnis resultieren. Auch Themen wie Antisemitismus und präinquisitorischer Fanatismus halten Einzug in die Geschichte Sir Wilfreds, der trotz des Titels erfreulicherweise nicht die einzige figurale Zentralposition bekleidet. Auch die vielen anderen Charaktere, allen voran der Hauptantagonist Bois-Guilbert, der sich zu seiner eigenen Schande unsterblich in die Jüdin Rebecca verliebt und ihr gern alles opfern würde, am Ende aber dann doch zu obrigkeitsfürchtig ist für die letzte Konsequenz, werden exzellent porträtiert. Hier profitiert das – gefälligst am Stück genossene – rund dreihundert Minuten lange TV-Stück dann wiederum von seiner großzügigen Spielzeit, die ihm genau solche Feinheiten ermöglicht. Ansonsten bleibt die Inszenierung gediegen bis zurückhaltend und ausschließlich am funktionalen Fortlauf der Narration interessiert. So weit, so komfortabel.
Dringender Erneuerungsbedarf besteht allerdings hinsichtlich der deutschen Edierung von „Ivanhoe“: nicht nur, dass die Farben der DVD etwas zu verwaschen wirken, es wurde offenbar auch stark in den ursprünglichen Bildausschnitt hereingezoomt, was sich, wenn nicht ohnehin schon im Vorhinein, spätestens bei den Abspännen bemerkbar macht. Hier wäre der Veröffentlichung einer fehlerbereinigten (BD-)Auflage unbedingt zuzuraten.

8/10

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