FINAL EXAM

„People are killed every day for no reason at all!“

Final Exam (Examen) ~ USA 1981
Directed By: Jimmy Huston

Am beschaulichen Lanier College stehen die Semesterferien ins Haus. Die Studierenden müssen die letzten, mühseligen Prüfungen über sich ergehen lassen, bevor sie endlich in den Sommer verduften können. Besonders die eher sportaffinen Herren der Verbindung „Gamma Delta“ lassen sich derweil einigen Schabernack einfallen, um nicht allzu viel unnützen Lernstoff unter die Cap-Krempe zwängen zu müssen. Während die meisten KommilitonInnen bereits ausgeflogen sind, sitzen zur Dämmerungszeit nur noch ein paar wenige Übrigbebliebene im Wohnheim, darunter die sympathische Courtney (Cecile Bagdadi), ihre leichtlebige Zimmergenossin Lisa (DeAnna Robbins) und der etwas streberhafte Radish (Joel S. Rice). Da schlägt ein ungeschlachter Killer (Timothy L. Raynor) zu, dessen einziges Tatmotiv darin besteht, möglichst viele Leute in möglichst kurzer Zeit zu beseitigen.

„Final Exam“ ist einer der vielen, kleinen Slasher, die nach dem gigantischen Erfolg von „Friday The 13th“ flutwellenartig die US-Kinos überströmten. Während in den meisten anderen Produktionen entsprechender Provenienz der Mörder jedoch zumindest einer klar umrissenen Agenda folgte, die sich in der Regel aus Rachegelüsten speiste, weil er bzw. sie in der Vergangenheit entweder zutiefst gedemütigt wurde, ein geliebtes Familienmitglied verlor, oder durch ein anderweitig traumatisches (oftmals sexuell konnotiertes) Erlebnis gequält wurde, reduziert sich „Final Exam“ auf die ebenfalls obligatorische, reaktionäre Ausprägung des Subgenres. Hier ist der eifrige Killer zwar gewohnheitsmäßig stumm, aber weder maskiert noch deformiert und hat offenbar bloß einen (wie man annehmen muss) irrationalen Hass auf College-Absolventen. Natürlich „verdienen“ seine Opfer, mit Ausnahme des ihn schließlich wie gehabt bezwingenden „final girl“, allesamt ihre Strafen, um nochmals das reaktionäre Element aufzugreifen. Sie nehmen oder verkaufen Drogen, trinken Alkohol, haben vorehelichen Sex oder zumindest schmutzige Fantasien, sind also im Sinne konservativ-gesellschaftlicher Konformität eindeutig schuldig.
Dass“Final Exam“ in den ersten drei Fünfteln eher mit Studentenklamauk Marke „Animal House“ hausieren geht, bevor er sich endlich ans Eingemachte begibt, der namenlose Killer also zu Werke geht und der Horrorliebhaber für sein Eintrittsgeld entlohnt wird, hat man Jimmy Hustons Film gleichermaßen angekreidet wie positiv ausgelegt. Einerseits nämlich trägt diese Geduldsprobe dazu bei, dass die kills vergleichsweise sehr lange auf sich warten lassen und allzu konzentriert (und dazu noch ziemlich unblutig) durchgespielt werden, andererseits bleibt das agierende Personal dem Vernehmen nach nicht ganz so farb- und gesichtslos wie sonst. Dass es, vornehmlich von Einmal-Darstellern gespielt, dennoch gewohnt stereotyp und klischeehaft daherkommt, gehört offenbar schlicht zum Wesen der Sache. So bleibt „Final Exam“ zumindest dem geneigten Chronisten als relativ exemplarischer Slasher seiner Tage als mäßig amüsant in Erinnerung, kann jedoch trotz seiner Zensurgeschichte in Großbritannien (wo er immerhin in der berüchtigten DPP-Section-3-Liste als video nasty aufgeführt wurde) nicht zu den unzweifelhaften Großwerken der Untergattung gezählt werden. Dazu ist er dann doch einfach zu ranzig.

4/10

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