DEATH NOTE

„You humans are so interesting!“

Death Note ~ USA 2017
Directed By: Adam Wingard

Der just wegen eines Gewaltverbrechens zur Halbwaise gewordene Light Turner (Nat Wolff) gerät buchstäblich aus heiterem Himmel an ein betagt aussehendes Notizbuch, das „Death Note“. Damit einhergehend erscheint ihm der spöttische Dämon Ryuk (Willem Dafoe), der ihm – natürlich sehr eigenwillige – Tipps und Hinweise zum Umgang mit dem Büchlein gibt. Jenes hat nämlich die besondere Bewandnis, dass jeder, dessen Name der gegenwärtige Besitzer des „Death Note“ schriftlich in ihm verewigt, alsbald eines urplötzlichen Todes stirbt. Light Turner macht sich selbst zu einem irdischen Superrichter, der überall auf der Welt Menschen sterben lässt, die es seiner Meinung nach verdient haben. Doch ist ihm schon ein hellseherischer Detektiv namens L (Lakeith Stanfield) auf den Fersen, der Light bald zum Umdenken bewegt…

Ich mag Adam Wingard als Regisseur (trotz nicht hinfortzuleugnender, geringfügiger Ausfälle letzthin noch immer) sehr gern und halte daher bis aufs Weitere an seinem unermüdlichen output fest. „Death Note“, das muss ich absolut und nichtsdestotrotz einräumen, darf man jedoch getrost als gescheitert einordnen, als bisher schwächsten Film mit seiner Beteiligung, den ich überhaupt kenne gar. Ich wusste zuvor überhaupt nichts über diese Netflix-Produktion, weder, dass Warner die zuvor bei ihnen liegenden Filmrechte (offenbar wohlweislich) veräußert hatte, noch, dass das Ganze auf einer Manga-Serie gleichen Namens beruht, die wiederum bereits eine ganze japanische Filmreihe mit bis dato vier Vertretern hervorgebracht hatte. Nach meinen entsprechenden Erfahrungen hätte ich angesichts dieser Informationen vielleicht bereits rechtzeitig abgewunken. Vielleicht aber auch nicht; und da kommt dann wieder Adam Wingard ins Spiel, dem hier allerdings sein ansonsten obligatorischer, kongenialer Part Simon Barrett ganz immens abgeht. Wingard ist dann auch einer der wenigen Kreativbeteiligten, dem man Können und sichere Hand im Umgang mit dem Fach bescheinigen möchte. Formal nämlich gibt es an „Death Note“ überhaupt nichts auszusetzen, ganz im Gegenteil: Von der Entdeckung des Buches über die Einführung des Ryuk bis hin zum Riesenrad-Finale entwickelt Wingard eine ganze Anzahl hübscher visueller Einfälle, präsentiert hier und da treffende Song-Einspieler und zeigt erneut, dass er sich aufs Horrorgenre versteht wie momentan nur wenige andere seiner Filmemachergeneration. Gegen die sich zu völlig idiotischer Redundanz entwickelnde Story, sprich: das hoffnungslos verfahrene Script, das geradezu aufreizend darum buhlt, sich jedewedem aufrechten Zuschauerinteresse entgegenzustellen, kann jedoch auch Wingard nichts ausrichten. Das Ganze wirkte auf mich bereits recht früh, schätzungsweise so ab Minute 20, wie eine nippongetunte „Donnie Darko“-Variation, wie überdrehtes, ziellos dahinwaberndes Mysterientheater für aufmerksamkeitsdefizitäre Tokyoter Schuluniformträger. Einer der globalkulturellen Auswüchse also, zu der ich niemals Anschluss finden werde, sooft ich’s auch probiere. Bis auf die immerhin bis zum Ende hin wach gebliebenen Augen und die überraschten Reaktionen auf die drei, vier schönen musikalischen Zitate (v.a. INXS‘ „Don’t Change“ im Zuge der natürlich unverzichtbaren High-School-Ballsequenz und das schön schmalzige „The Power Of Love“-Cover von Air Supply zum Abschluss) hat mich „Death Note“ so kalt und unbeteiligt zurückgelassen wie schon lange kein Film mehr. Schade um das derart rückhaltlos verschwendete Talent Wingards.

4/10

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