OSCAR

„Get rid of him!“

Oscar ~ USA 1991
Directed By: John Landis

Gangsterboss Angelo ‚Snaps‘ Provolene (Sylvester Stallone) verspricht seinem Vater (Kirk Douglas) am Sterbebett, das kriminelle Leben aufzugeben und ein ehrlicher Geschäftsmann zu werden. Bereits einen Monat später ist er dabei, sich in ein Banker-Konsortium einzukaufen, doch am Stichtag geht alles schief, was nur schiefgehen kann: Der übereifrige Lieutenant Toomey (Kurtwood Smith) beschattet ihn pausenlos vom Haus gegenüber; sein Buchhalter Anthony (Vincent Spano) gibt zu, ihn mehrfach beklaut zu haben und will seine vermeintliche Tochter Theresa (Elisabeth Barondes) heiraten, die gar nicht seine Tochter ist (sich am Ende aber doch als solche erweist – unehelicherseits), seine „richtige“ Tochter Lisa (Marisa Tomei) rebelliert, will durchbrennen und behauptet nebenbei, sie sei von Chauffeur Oscar (Jim Mulholland) schwanger; das Hausmädchen Nora (Jocelyn O’Brien) kündigt; drei Koffer, zwei davon mit wertvollem Inhalt, rotieren durch Haus und Stadt und der verfeindete Mafioso Vendetti (Richard Romanus) will Snaps endlich aus dem Weg räumen. Kurz vor dem Nervenbruch stehend, schafft Snaps es dennoch – teils mithilfe von Gevatter Zufall – die komplizierte Lage zu einem zufriedenstellenden Abschluss zu bringen.

Mit „Oscar“ begann, wenn man so will, John Landis‘ endgültiger Abstieg von einem der ganz großen Comedy-Regisseure Hollywoods zu einem kaum mehr beachteten, nunmehr höchst spärlich arbeitenden Filmemacher, der seit Jahren lediglich von vergangenen Ruhmestaten und seinem Status als Connaisseur klassischen Science-Fiction- und Horrorkinos zehrt, zumindest jedoch beim Nukleus (s)einer treuen Fangemeinde einen nach wie vor weithin untadeligen Ruf genießt. Es ist kein großes Geheimnis, dass Landis‘ Stern bereits im Zuge der Dreharbeiten zum Anthologiefilm „Twilight Zone“ schwer ins Straucheln geriet und zu sinken begann, bei dem es infolge eines Helikopterabsturzes drei Unfalltote, darunter zwei kleine Kinder, gab. Landis wurde als einer der vermeintlich Hauptverantwortlichen für das Unglück mehrfach gerichtlich belangt und büßte große Teile seines zuvor untadeligen Renommees ein. Dennoch gelangen ihm in der Folge noch vier bzw. fünf (zählt man die Patchworkkomödie „Amazon Women On The Moon“ hinzu) mehr oder weniger brillante Genreexemplare mit einer oftmals erhöhten Tendenz zu schwarzhumorigen oder gar anarchischen, intertextuellen Querverweisen. An „Oscar“ jedoch, zumindest bescheinigte ihm Selbiges die zeitgenössische Kritik, sollte sich Landis dann erstmals gänzlich verhoben haben. Das Remake der gleichnamigen französischen Komödie (jene bereits selbst die Adaption eines Theaterstücks von Claude Magnier) mit Louis De Funès, in der der quirlige Komödiant wie selten durchdrehen und grimassieren durfte, wurde unter der Scriptarbeit des Autorenpaars Michael Barrie und Jim Mulholland zu einer rundum familienfreundlichen Screwball- und Gangsterkomödie vor der historischen Kulisse des Jahres 1931, der Depressions- und Prohibitionsära also. Vor allem die Substitution der Hauptfigur, eines ehedem cholerischen und rasenden Wüterichs durch den von Natur aus behäbigen Stallone sorgte in diesem Zuge für allerlei Unmut und Ratlosigkeit.
Mit den Jahren des Abstands und der Revisionsmöglichkeiten erweist sich Landis‘ „Oscar“ allerdings und tatsächlich als würdige Fortführung seines bisherigen Schaffens und echtes Autorenstück. Etliche etablierte trademarks des Regisseurs finden sich wieder und lassen den Afficionado juchzen, beginnend mit Landis‘ Vorliebe für klassische Musik als Vorspannträger nebst einer entzückenden Claymation-Animation. Die bereits legendären Cameos sind wieder einmal reichhaltig vorhanden, wenn auch nicht ganz so illuster belegt wie in anderen Landis-Filmen und wo einzelne DarstellerInnen in tragenden Rollen sich nicht eben als erste Wahl erweisen, reißen andere es wieder heraus – allein Tim Curry als Snaps‘ tuckiger Sprachentrainer, der sich völlig wider Erwarten (und natürlich höchst albernerweise) als willfähriges Notpflaster für die erotomanische Lisa „gebrauchen“ lässt, ist absolut toll.
„Oscar“ ist gewiss nicht frei von Schwächen und zumindest was mich anbelangt der chronologisch betrachtet erste Landis-Film, mit dem ich – wenn auch vergleichsweise unwesentliche – Problemchen habe; dennoch komme ich nicht umhin, ihn rundheraus als „guten Film“ zu bezeichnen. Was genügen sollte.

7/10

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