I, MADMAN

„By the way, thanks for depositing the book.“ – „What book?“

I, Madman (Hardcover) ~ USA 1989
Directed By: Tibor Takács

Die in einem Buchantiquariat beschäftigte Virginia (Jenny Wright) ist – ganz zu ihrem eigenen Unverständnis – regelrecht vernarrt in den schmalen literarischen Output des Schundschriftstellers Malcolm Brand (Randall William Cook) und aktuell in dessen Roman „I, Madman“, in dem es um den mörderischen, verrückten Chirurgen Dr. Alan Kessler (Randall William Cook) geht. Dieser ist hinter einer schönen Schauspielerin namens Anna Templar (Jenny Wright) her und „rekonstruiert“ sein eigenes, entstelltes Antlitz, indem er seinen Opfern die entsprechenden Gesichtsteile gewaltsam entfernt und sich hernach selbst annäht. Als Personen aus Virginias Bekanntenkreis nach just diesem Schema ermordet werden, scheinen sich Fiktion und Realität unweigerlich zu vermengen…

Der seit seiner Entstehung eher ein Nischendasein fristende „I, Madman“ erfreut sich bei etwas tiefer in die Genrematerie eintauchenden Connaisseuren des Horrorfilms eines durchaus postiven Renommees. Ich selbst hatte ihn seit seiner Veröffentlichung auf Video, die immerhin gute siebzehn Jahre zurückliegt, nicht mehr gesehen und konnte mich, wie ich heuer feststellen musste, auch kaum mehr an ihn erinnern.
Bei Takács dritter Regiearbeit handelt es sich um eine liebenswert eigenwillige Ode an die gemeinhin als „schundig“ bezeichnete Welt der reißerischen Schmöker, wie man sie, aufgemotzt durch schmierige, gezeichnete Covermotive mit Monstren, Mördern und minimal bekleideten Mädchen in den Ständern jedes gut sortierten Busbahnhofskiosks findet. Die anglophone Welt kennt das als „pulp“, wir Deutschen gebrauchen (oder vielmehr gebrauchten) dafür vornehmlich den schönen Terminus „Groschenromane“. Was derlei Lektüre zumindest für den wahren Liebhaber so aufregend macht, davon erzählt „I, Madman“ – sie pulsiert, erregt, affiziert, involviert. Zumindest, wenn man gewillt ist, sich ihr hinzugeben, wie eben Protagonistin Virginia, die der mysteriösen Welt des irren Malcolm Brand nicht nur verfällt, sondern sich gar in dessen sich mehr und mehr manifestierender Parallelrealität zu verlieren droht. Eine Besonderheit des Films liegt somit darin, dass er selbst sich vollends mit den von der Hochkultur gern als „fragwürdig“ gewähnten, stilistischen Prägungen seines Sujets identifiziert, bis hin zur Verschmelzung dreier Erzählebenen – der literarischen innerhalb der Geschichte, der filmischen Realität und schließlich der narrativen Ausprägung, derer wir als Filmpublikum ansichtig werden. Gerade im Bereich des Phantasischen erweisen sich solcherlei inhaltliche Parallelisierungen, also Geschichten, die innerhalb von Geschichten ein möglicherweise unheilvolles Eigenleben zu führen beginnen, als ein oftmals sehr dankbarer Topos hinsichtlich der weitmöglichen Überlappung und/oder Verschiebung von Wirklichkeitsschichten. „I, Madman“ nimmt darüberhinaus innerhalb dieses Gattungssegments nochmals eine kleine Sonderposition ein, weil er sich selbst ganz und gar, mit Haut und Haaren quasi, jener Spekulativität verschreibt, die die von ihm porträtierte Welt der Fiktion inthronisiert.

8/10

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