WHITE GHOST

„I may be sorry later, but I trust you for the moment.“

White Ghost ~ USA 1988
Directed By: BJ Davis

G.I. Steve Shepard (William Katt) haust seit dem Ende des Krieges im vietnamesischen Dschungelunterholz und führt einen unermüdlichen Guerillakampf gegen den Vietcong, seine einheimische Frau Thi Hau (Rosalind Chao) stets an der Seite. Unter den Eingeborenen längst zum Mythos geworden, eilt ihm sein Ruf als „White Ghost“ bereits überregional voraus. Eines Tages geht dann alles ganz schnell: Thi Hau ist schwanger und soll das Kind im sicheren Amerika zur Welt bringen; zeitgleich will Major Cross (Reb Brown) den Legenden um den „White Ghost“ auf den Grund gehen und beordert die stets sehr rücksichtslos agierende Söldnertruppe um Captain Walker (Wayne Crawford) nach Südostasien. Was Cross nicht ahnt, ist, dass Walker noch eine alte Rechnung mit Shepard offen und überhaupt kein Interesse daran hat, ihn lebend nach Haus zu eskortieren. Der „White Ghost“ hat nunmehr also an zwei Fronten zur selben Zeit zu kämpfen…

Auf den ersten Blick an die verspäteten Kriegsgewinnlerphantasien wie „Rambo: First Blood Part II“ oder „Missing In Action“ angelehnt, entpuppt sich „White Ghost“ zwar durchaus als Rip-Off, lehnt sich dabei jedoch viel stärker an John McTiernans „Predator“ an, dessen narrative Struktur BJ Davis‘ Film teilweise detailgetreu plagiiert. Dabei repräsentiert Shepard das in mehrerlei Hinsicht überlegene Alien, das die Gegebenheiten des Areals zu seinem Verbündeten macht und die Söldnertruppe dezimiert, derweil der Vietcong die Latino-Guerrilleros ersetzt. Den Angriff von Schaefers Truppe auf deren Dschungelcamp kopiert Davis dementsprechend mit einiger Akribie.
Über den mit gewohnt sorgfältig frisiertem Minipli ausgestatteten William Katt, der eigentlich gar nicht böse gucken kann, als tarzanesken Superheld lässt sich in punkto credibility gewiss streiten; als dann aber seine Thi Hau entführt und derb gefoltert wird (ich sage nur: Bambus & Fingernägel) und Shepard wütende Taten sprechen lässt, breitet sich rasch der Mantel des Vergessens über vormalige, mögliche Publikumsressentiments. Die eigentliche darstellerische Attraktion des Films ist sowieso Wayne Crawford als ultrafieser Regierungskiller, der irgendwann komplett überschnappt und am Ende das kriegt, was er verdient. Die Entscheidung, Reb Brown als militärischen Racheengel einzusetzen, der Shepard und Gattin am Ende via Heli-Punktladung raushaut und vorher nochmal mit dem allseits beliebten Gebrüll ein paar traditionsbewusste Salven in die gesichtslose, gelbe Menge feuert, muss im Zuge dessen schon als frühe, metafilmische Selbstreferenz gefeiert werden.

6/10

RAGE TO KILL

„Let’s see how tough you really are…“

Rage To Kill (Guerilla Force) ~ USA 1987
Directed By: David Winters

Der verrückte General Turner (Oliver Reed) errichtet mithilfe seiner Privatarmee und des passenden Überraschungsmoments eine Militärdiktatur auf der Karibikinsel St. Heron und stellt die hiesige medizinische Fakultät kurzerhand komplett unter Quarantäne. Unter den zusammengepferchten Studierenden befindet sich auch Glen (Liam Cundill), der jüngere Bruder des Elitekämpfers und Rennfahrers Blaine Striker (James Ryan). Dieser reist kurzerhand nach St. Heron, wird sofort festgesetzt und gefoltert, kann jedoch im Handumdrehen wieder entkommen. Mithilfe des gesetzten CIA-Agenten Miller (Cameron Mitchell) verhindert Striker im letzten Moment ein Massaker an den Studenten, das Turner eigentlich den Widerständlern in die Schuhe schieben wollte. Striker, Miller, und die geflohenen Studenten schließen sich daraufhin der Guerillatruppe des Revoluzzers Wally Arn (Henry Cele) an, mit der gemeinsam man gegen Turner ins Feld zieht.

Einmal die große Wundertüte für Jungens bitte, aber die für erwachsene!
David Winters‘ gut sichtbar in Südafrika gedrehtes Kriegsabenteuer dürfte sich schon nach den ersten Minuten für jeden B-Action-Gourmet, der das große Glück hat, ihn (neu) zu entdecken, zu einem ausgesprochenen Festmahl mausern, so sorglos hurrapatriotisch und testosterongeschwängert geht es zur Sache. Bei allen blutigen Gefechten, Explosionen und Jagdsequenzen langt es zwischendrin stets noch für ein paar schmierige Momente mit Oliver Reed, einer Flasche Johnnie Walker und zwei barbusigen Damen im Jacuzzi, wie überhaupt der Besetzung und der Inszenierung der Heidenspaß an der ganzen Räuberpistole in höchsterquicklichem Maße anzumerken ist. Analog zu einigen anderen militäraffinen Actionfilmen der achtziger Jahre zehrt auch „Rage To Kill“ von den Ereignissen um den Staatsstreich gegen Premierminister Maurice Bishop auf Grenada, der mithilfe einer Invasion von Reagans US-Truppen bei höchst zweifelhafter, internationaler Rechtslage durchgeführt wurde.
Wie die deutlich höher budgetierten Studioproduktionen „Commando“ und  „Heartbreak Ridge“ singt Winters in seinem liebenswerten Zelluloidhämmerle eine feiste Eloge auf die unbedingte Zuverlässigkeit von CIA-Militärberatern und natürlich die amerikanischer Marines, die am Ende mit etwas Verspätung den von unserer buntgemischten Heldentruppe eingefahrenen Sieg sichern werden. An „Rage To Kill“ ist einfach alles toll, von der Darstellerriege bis hin zur Hamburger Synchronfassung, die neben einem erstklassig eingedeutschten Dialogscript unter anderem mit Horst Frank (Mitchell) und Gottfried Kramer (Reed) zu glänzen weiß und für mich längst fest zum Film dazu gehört. Oliver Reed, in jenen Jahren häufig als barett- und tarnfarbenbewährter Bösewicht in mannigfaltigem Genreklein zu bewundern, ist auch hier wieder super, wobei ich darauf wetten möchte, dass eine Szene, in der er stockbesoffen auf einem Sofa hängt, nicht gespielt ist. Für Cameron Mitchell gilt, zumindest im Hinblick auf seine Engagierfreude, ganz Ähnliches und auch er markiert in „Rage To Kill“ einen unerschöpflichen Quell altprofessioneller Freude. Ian Yule, ein echter Ex-Soldat, der in „The Wild Geese“ den Tosh gespielt hatte, ist als Reeds Adlatus am Start und der Rebellenchef Wally Arn wird von niemand Geringerem gegeben als von Henry „Shaka Zulu“ Cele persönlich! (Vornehmlich britische) Manpower galore also, wobei der drahtige, aber etwas kurz geratene Rambo-Ersatz James Ryan gegen so viel Feldtradition zwangsweise verblassen muss. Großes kleines Kino aus dem Einmachglas, das zum Schwärmen, Mitlachen und Nachspielen mit Playmobil einlädt.

7/10