THE NEPTUNE FACTOR

„Unbelievable!“

The Neptune Factor (Die Odyssee der Neptun) ~ CAN 1973
Directed By: Daniel Petrie

Als gäbe es auf dem Untersee-Forschungslabor „Oceanlab“ nicht ohnehin schon genug personelle Probleme, rutscht der Komplex infolge eines Seebebens auch noch in eine tiefe, bislang unerforschte Spalte hinab. Kurzerhand wird der Maritimexperte Adrian Blake (Ben Gazzara) zum Unglücksort befördert, wo er sich mit dem Mini-U-Boot „Neptun“ auf die Suche nach der möglicherweise noch lebenden Besatzung von Oceanlab machen soll. Die beiden Taucher Mac (Ernest Borgnine) und Cousins (Donnelly Rhodes) sowie die Wissenschaftlerin Jansen (Yvette Mimieux) begleiten ihn auf dem gefährlichen Trip ins Ungewisse.

Während der sich dem Ende näherenden Betrachtrung von „The Neptune Factor“ musste ich mehrere Male unweigerlich an ein Zitat aus „Dr. No“ denken, als der Titelbösewicht James Bond eine Glaspanoramawand vorführt, die die hinter ihr befindlichen Fische optisch wie eine Lupe vergrößert: „Minnows pretending they’re whales.“ Genau solche sollen den Spannungsfaktor von Petries Film nämlich in die Höhe schrauben; die Tiefseespalte, in die Oceanlab gerutscht ist, beherbergt nämlich – zu allseitiger Überraschung – Fauna und Flora mit Riesenwuchs. Für die Effekt-„Zauberer“ keine besondere Aufgabe, galt es doch bloß, eine Miniversion der Neptun in ein handelsübliches Aquarium zu setzen. Ob nun Regisseur Petrie oder dp Harry Makin oder alle beide – man hatte offenbar ein ausgeprägtes Faible für die eingehende Beobachtung von hübschen Fischchen. Anders lässt sich die teils minutenlange, mitunter geradezu berauschte Inszenierung der entsprechenden Tiere wohl kaum erklären. Zur filmischen Dramaturgie trägt sie jedenfalls in keinster Weise bei, sondern gleicht vielmehr jedesmal einem behenden Tritt aufs Bremsdpedal. „The Neptune Factor“ ist ohnedies ein seltsamer Film. Sein Motivpool bedient sich zum einen bei notalgischer, naiver technical fiction wie der von Jules Verne, schielt zugleich aber auch zum soeben Kasse machenden Katastrophenkino mit prominenten Ensembles Marke Irwin Allen, dessen zwölf Jahre älterer „Voyage To The Bottom Of The Sea“, der zudem Walter Pidgeon in faktisch derselben Rolle vorführte, nochmals im Speziellen als Ideenbezug herhielt. Ben Gazzara, der sein Bankkonto ähnlich wie sein Freund John Cassavetes durch Engagements in Filmen wie diesen vor dem Dispo bewahrte, wird sich ins Fäustchen gelacht haben und der unverwüstliche Ernest Borgnine ist klasse wie eh und je.
„The Neptune Factor“ erweist sich als vor allem für Liebhaber cineastischer Randnotizen und Fußnoten interessant – ein sehenswerter oder gar guter Film war und ist er ganz gewiss nicht, dafür ein exotisches Studienobjekt für künstlerische Ausfallerscheinungen. Und dies ist bitteschön nett gemeint.

5/10

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