STIR OF ECHOES

„I’m supposed to dig.“

Stir Of Echoes (Echoes – Stimmen aus der Zwischenwelt) ~ USA 1999
Directed By: David Koepp

Der mit Frau Maggie (Kathryn Erbe) und Söhnchen Jake (Zachary David Cope) in einem beschaulichen Vorort von Chicago lebende Arbeiter Tom Witzky (Kevin Bacon) beginnt nach einer eher spaßig gemeinten Hypnose durch seine Schwägerin Lisa (Illeana Douglas), Dinge zu sehen, die außer ihm niemand wahrnimmt – eine Gabe, die der kleine Jake längst zu haben scheint. Dazu zählt neben dem Empfang übernatürlicher Warnsignale auch die Tatsache, dass Tom eine verstorbene Teenagerin (Jennifer Morrison) sieht, beziehungsweise immer wieder unfreiwillig in ihre Wahrnehmungswelt versetzet wird. Nachdem Tom sich zunächst vehement gegen diese beunruhigenden Ereignisse wehrt, beginnt er bald doch, der Affäre um das offenbar gewaltsam zu Tode gekommene Mädchen mit der gebotenen Energie nachzuspüren. Der Schlüssel zu allem liegt offenbar im Fundament des eigenen Hauses verborgen…

Analog zum gewaltigen Erfolg von M. Night Shyamalans „The Sixth Sense“ kämpfte sich zugleich ein seit längerem vernachlässigtes Segment des Horrorgenres zurück an die Oberfläche: Das des nicht ruhen könnenden Geistes eines oder einer durch Ungerechtigkeit Verstorbenen, auf dessen Fährte im Diesseits ein durch PSI-Kräfte begabter, oftmals unfreiwilliger Ermittler stößt. Jene Art Horror kennzeichnet sich seit eh und je durch den Einsatz eher sanften Grusels, da das unruhige Gespenst ja zumeist keineswegs Böses, sondern lediglich Gerechtigkeit um der eigenen Erlösung Willen im Sinn hat; die freie Fahrt ins Jenseits heraus aus dem Zwischenreich sozusagen. In dem eher lose auf einem rund vierzig Jahre älteren Roman von Richard Matheson basierenden „Stir Of Echoes“ ist es nun an Kevin Bacon, sich überaus widerwillig der neu entdeckten Berufung zu stellen, als Erfüllungsgehilfe für das Jenseits zu fungieren. Dem Geist der einst ermordeten Samantha ist es nämlich schnurzegal, ob der von ihr „auserwählte“ Tom Witzky überhaupt Lust verspürt, sich mit ihrem Fall zu befassen – er ist ohnedies der Richtige. Interessant wird es, wenn David Koepp die Jenseitsmediums als eine Art spezieller „Szene“ oder auch als geheimbündlerische Subkultur katalogisiert. Der Polizist Neil (Eddie Bo Smith Jr.) wird auf dem Friedhof auf den kleinen Jake aufmerksam und erkennt in ihm sogleich einen buchstäblichen Seelenverwandten. Ein weiteres Nachspüren seitens der etwas überrumpelten Mutter Maggie offenbart ihr dann, dass auch Tom über die „Gabe“ verfügt – was sein zunehmend ungewöhnliches Verhalten zumindest erklären könnte. Dass er Maggie praktisch kaum mehr wahrnimmt und sich stattdessen zunehmend irrational verhält – so geht er nicht mehr zur Arbeit, sondern gräbt den gesamten Garten um und verbringt stundenlang damit, einen bestimmten Song (der sich als Punkcover von „Paint It Black“ entpuppen wird) ausfindig zu machen. Freilich kommt alles zu einer, wenngleich wiederum gewaltsamen, Conclusio, die die Aufklärung um Samanthas Tod beinhaltet. Der Film entlässt uns dennoch mit der beunruhigenden Gewissheit, dass Jake ein recht unbequemes Aufwachsen erwartet.
Dass „Stir Of Echoes“ im recht übermächtigen Schatten von „The Sixth Sense“ stand (und steht), ist ungerecht. Zwar erreicht er nicht ganz den emotionalen impact von Shyamalans Geisterseher-Mär, verfügt vielleicht nicht über dessen bahnbrechenden twist und inszenatorische Ausgewogenheit, bleibt aber dennoch ein hervorragender Geisterfilm, der vor allem durch seine sehr exakte Milieuzeichnung überzeugt und die alte Weise davon, dass Blut dicker ist als alles Übel der Welt, so überzeugend in seine Auflösung integriert.

8/10

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