L’ATTENTAT

Zitat entfällt.

L’Attentat (Das Attentat) ~ F/I/BRD 1972
Directed By: Yves Boisset

Der Pariser Journalist und Autor François Darien (Jean-Louis Trintignant) gilt in linksliberalen Kreisen als Salonkommunist – bei Bedarf stets mit einem flotten Kommentar zur Stelle, fühlt er sich im bourgeoisen Milieu dann doch am heimischsten. Da Darien gute Kontakte zu dem sozialistischen, nordafrikanischen Oppositionspolitiker Sadiel (Gian Maria Volonté) pflegt, missbraucht man ihn für ein komplex eingefädeltes Komplott: Darien wird zunächst bei einer Demonstration verhaftet, damit der zwielichtige Anwalt Lempereur (Michel Bouquet) Kontakt zu ihm aufnehmen kann. Dieser offeriert Darien dann die „Idee“, ein linkes TV-Format für einen Privatsender moderieren zu können. Im Zuge von dessen Vorbereitung soll Darien Sadiel aus dessen Genfer Exil nach Paris locken. Dort wartet bereits Sadiels ärgster Widersacher, der Diktator Kassar (Michel Piccoli), der Sadiel kidnappen lässt und ihn vor die Wahl stellt, entweder als Erfüllungsgehilfe für Kassar aufzutreten oder das Zeitliche segnen zu müssen. Bald durchschaut Darien die Verschwörung und begibt sich auf die Suche nach Sadiel.

Mit „L’Attentat“ hängte sich Yves Boisset recht erfolgreich an das damals durch Costa-Gavras in Umlauf gebrachte Politthriller- und Verschwörungsgenre, wobei er die wütende Leidenschaft, mit der der Meister die skrupellosen Methoden faschistischer und totalitär geprägter Drahtziehereien in aller Welt anzuprangern pflegte, zumindest in affektiver Hinsicht nicht nachvollzog. Wie Costa-Gavras‘ bis dato entstandenen Werke zum Thema liegt allerdings auch „L’Attentat“ ein authentischer Fall zugrunde, dessen umfassende Verwurzelung nie gänzlich aufgeklärt werden konnte: 1965 wurde der wegen eines in Marokko gegen ihn ausgesprochenen Todesurteils aufgrund von „Landesverrat“ im Exil lebende, marokkanische Linkspolitiker Ben Barka in Paris entführt und verschwand daraufhin spurlos. Barkas Ermordung zog einen langwierigen Gerichtsprozess nach sich, der unter anderem die Verwicklung des ehemaligen marokkanischen Innenminister Oufkir sowie Mitglieder des französischen Geheimdienstes und hochrangiger Mitglieder der Polizei offenlegte. Offiziell nicht bewiesenen, aber höchst wahrscheinlichen Spekulationen zufolge waren auch Mossad, CIA und deutscher Nachrichtendienst in Barkas Kidnapping verwickelt.
Wie gemeinhin üblich wurden für „L’Attentat“ Namen geändert und einzelne Abläufe modifiziert, ohne jedoch die realen Ereignisse je unkenntlich werden zu lassen. Boisset stand, auch das nicht zuletzt durch Costa-Gavras diesbezügliche Vorarbeit gewissermaßen obligatorisch, eine internationale Starbesetzung zur Verfügung, die dem Film bis heute einen zusätzlichen Glanz sichert. Dennoch muss man Boissets Inszenierung eine unübersehbare Umständlichkeit im Hinblick auf ihre Dramaturgie bescheinigen; dass der Plot sich etwa allzu stark auf den unentschlossenen Charakter des  François Darien fokussiert und dessen innere Konflikte oftmals nur sehr mühselig reflektiert, anstatt die Organisation von Dariens Liquidation etwas minutiöser herauszuarbeiten. Hier vermisst man wiederum die beinahe dokumentarisch geprägte Faktenaufarbeitung, die etwa „Z“ oder „État de Siège“ schlussendlich erst so ausgezeichnet und formvollendet macht. Dennoch hält sich „L’Attentat“ als ein gutes Beispiel für funktionales Politkino linker Prägung.

8/10

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s