EYES OF LAURA MARS

„If you’re not a horny creep, leave a message at the beep!“

Eyes Of Laura Mars (Die Augen der Laura Mars) ~ USA 1978
Directed By: Irvin Kershner

Noch bevor die kontrovers gefeierte New Yorker Kunstfotografin Laura Mars (Faye Dunaway) ihren neuen Fotoband veröffentlicht, beginnt ein unbekannter Killer, ihr nahe stehende Personen gleich in Reihe zu ermorden. Parallel dazu wird Laura allenthalben von Anfällen geplagt, die sie kurzzeitig durch die Augen des Wahnsinnigen sehen und somit an dessen Verbrechen und seinen fortwährenden Annäherungen an Lauras Privatsphäre teilhaben lassen. Während sie sich einer Liaison mit dem ermittelnden Detective John Neville (Tommy Lee Jones) hingibt, ziehen sich die Kreise des Täters immer enger um Laura…

Ein schönes Stück Kultur- und Zeitgeschichte ist wohl das primäre Erbe, das dieser von John Carpenter cogescriptete, amerikanische Giallo hinterlässt. Irvin Kershner, in späten Jahren vor allem Spezialist für Sequels und Franchise-Beiträge, gewährt ein paar hübsch stilisierte Einblicke in die hedonistische New Yorker Bohéme der ausgehenden siebziger Jahre, indem er seine Titelprotagonistin bei ihren oftmals bizarr arrangierten Photo-Shootings begleitet, die sich aus einer aufreizenden Mischung aus Erotik- und Gewaltelementen speisen und stets von ohrenbetäubend dargebotenen, zeitgenössischen Disco-Tracks von KC & The Sunshine Band oder Michael Zager begleitet werden, dadurch wie Videoclips wirken und einen nicht unwesentlichen Teil der Erzählzeit nehmen. Die hier und da zu sehenden, tatsächlichen Photos stammen von Helmut Newton. Wie von den italienischen Vorbildern gewohnt, erweist sich der Kriminalplot bald als nebensächlicher Aufhänger für ein sehr viel mehr vom porträtierten Milieu fasziniertes Kunstwerk, dessen schlussendliche Auflösung ebenso willkürlich wie unbeeindruckend, gar nebensächlich erscheint. „Eyes Of Laura Mars“ bekleidet insofern eines der wenigen Beispiele für „reziproke Inspiration“ – wo normalerweise die Italiener die Ideen für ihr Genrekino von erfolgreichen Hollywood-Produktionen abschöpfen, geht es hier umgekehrt zu; nicht etwa die hier und da mühselig aufgebaut wirkenden Suspense-Sequenzen oder das sehr offenkundig ausgespielte Whodunit-Element verleihen „Laura Mars“ seine Faszination, sondern die bloße Sorgfalt seiner Observierungstechniken; das Eintauchen in eine dem gängigen Rezipienten verschlossene, ebenso künstlerische wie artifizielle Parallelwelt, geprägt von schönem Schein und Oberflächenreiz. Insofern bleibt der aufreizend unperfekte „Eyes Of Laura Mars“ gleichermaßen ein Paradoxon: ein durchaus schöner Film, der jedoch in seiner eigentlichen Funktion als Genrevertreter blass bleibt.

7/10

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