PRIMAL FEAR

„If you want justice, go to a whorehouse. If you wanna get fucked, go to court.“

Primal Fear (Zwielicht) ~ USA 1996
Directed By: Gregory Hoblit

Der Chicagoer Strafverteidiger Martin Vail (Richard Gere) liebt vor allem zwei Faktoren, die sein Beruf mit sich bringt: Prominenz und Geld. Um seinen öffentlichen Putz etwas aufzumöbeln, bemüht er sich daher um eine besonders aufsehenerregendes Mandat – er will pro bono den des Mordes am lokalen Erzbischof (Stanley Anderson) verdächtigen Kirchenchorknaben Aaron Stampler (Edward Norton) vor Gericht verteidigen. Nicht nur, dass Vail bei seinen folgenden Ermittlungen bald auf einige unliebsame Nebenaktivitäten des toten Klerikers stößt, findet er heraus, dass sein Klient offenbar einer multiplen Persönlichkeitsstörung unterliegt, die zwar seine Schuld an der Bluttat beweist, ihn jedoch de facto als unverantwortlich für sein situatives Handeln dastehen lässt. Mit großem juristischen Geschick manövriert sich Vail fortan durch die Verhandlung, doch die größte Überraschung wartet noch auf ihn…

Ganz ordentliches Neunziger-Hochglanzkino, das erfolgreich mit den üblichen Ingredienzien des courtroom drama zu hantieren versteht – ein narzisstischer Anwalt, der weniger clever ist als er glaubt und sich selbst, ebenso wie sein bisheriges Berufsethos, am Ende selbst in Frage stellen muss, ein Klient, der ein doppeltes Spiel spielt und schließlich über Moral und Justiz triumphiert, gewürzt mit einem mäßig intelligenten MacGuffin, hier: einer brisanten Immobilienaffäre, die die Integrität von katholischer Kirche und Staatsanwaltschaft als höchst etablierte Stadt- und Staatsträger bis in ihre Grundfesten erschüttert. Schließlich darf noch der eingangs verteidigte Gangsterboss (Steven Bauer), der sich im Nachhinein als nützlicher Stichwortlieferant zur Offenlegung der obligatorischen Korruptionsaffäre erweist, nicht fehlen. Hoblit kann sich beruhigt auf das Engagement einer ziemlich makellosen Besetzung stützen: Richard Gere in einer buchstäblich maßgeschneiderten Rolle, der beeindruckende Debütant Edward Norton, der sich hiermit sogleich bedingungslos für kommende Großtaten empfiehlt, die stets erfreuliche Frances McDormand als gelackmeierte Psychologin und dazu zuverlässiges, wenngleich mäßig farbenfrohes Personal Marke Laura Linney, Alfre Woodward, John Mahoney.
Das ergibt in der Summe ein schniekes, kantenloses Unterhaltungsprodukt von einiger Professionalität und ohne allzu großen Nachhall, das sich auf seinen modischen twist stützt, als erfinde dieser das geschnittene Brot neu.
Nun bewegen sich allerdings weder Hoblit noch seine Autoren auf derselben erlauchten Ebene wie, sagen wir, Hitchcock, Wilder, Preminger oder Lumet, was „Primal Fear“ am Ende zwar vollkommen okay dastehen lässt, aber eben auch nicht besser als das.

6/10

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