THE ADVENTURERS

„For Corteguay!“

The Adventurers (Playboys und Abenteurer) ~ USA 1970
Directed By: Lewis Gilbert

Schon von Kind an lernt der aus dem lateinamerikanischen Kleinstaat Corteguay stammende Dax Xenos (Bekim Fehmiu) um die Schlechtigkeit der Menschen. In einem Land wie dem seinen bedeutet Revolution zugleich stets bloß die Machtübernahme durch einen neuen Diktator; kleine rote Bücher, sozialistisches Gedankengut und hehre Ideale werden in schöner Regelmäßigkeit achtkantig über Bord geworfen, sobald erst der schmucke Regierungspalast eingenommen und neu besetzt ist. Auch Präsident Rojo (Alan Badel), der, einst glühender Rebell, dem kleinen Dax ehedem half, das Maschinengewehr zu halten, um Mutter, Schwester und Hund zu rächen, bildet da keine Ausnahme. Während der in Europa zu einem Universal-Bonvivant geschulte Dax sich vor allem für Luxus, Champagner und schöne Frauen begeistert, lässt Rojo mit zunehmendem Alter die Axt kreisen. Als Höhepunkt seiner Schuftereien lässt er Dax‘ Vater (Fernando Rey) ermorden, wovon der junge Mann zunächst gar nichts mitbekommt. Erst spät gelangt Dax zu der Einsicht, dass sein Herz schon immer nur für Corteguay schlug und macht sich daran, dem Land endlich Frieden zu schenken…

Dass der just verstorbene, vor allem für seine drei spektakulären Bond-Filme bekannte Brite Lewis Gilbert noch ganz andere Meriten aus seiner immerhin 55 Jahre währenden Schaffensära vorzuweisen hat, wird gemeinhin gern übersehen. Ganze 37 Filme durfte er im Zuge dieser Zeitspanne inszenieren, wobei „The Adventurers“ vielleicht als eine der vielleicht schönsten, in jedem Falle aber exotischsten Blüten daraus Bestand haben sollte und hat.
Der Film erweist sich als ein wundertätiges Kleinod und Exempel aus jener Phase, in der die Hollywood-Studios mittels gewaltiger, in jeder rationalen Hinsicht zum Scheitern verurteilter Klimmzüge probierten, gegen die merkwürdigen, für sie unfassbaren Neuströme anzuschwimmen, die sich durch ein paar gediente und vor allem ganz viele junge Filmemacher entfesselt fanden und rückblickend gemeinhin als „New Hollywood“ bezeichnet werden. Nachdem die Paramount und Produzent Joseph E. Levine sich bereits mehrfach an Adaptionen bzw. Spin-Off-Stoffen des damals ungeheuer erfolgreichen Trivialschreibers Harold Robbins abgearbeitet hatten, setzten sie abermals auf jenes vermeintlich zugsichere Vorlagenpferd und butterten ein spürbar großzügiges Budget in „The Adventurers“, der eine wie gewohnt schillernde, biographische Story um einen ebenso aufregenden wie rissigen Helden erzählte und die auf drei Kontinenten an allerlei luxuriösen, internationalen Schauplätzen spielt. Knapp drei Stunden Erzählzeit nimmt das ausufernde Resultat in Anspruch, ganz klassisch flankiert noch von musikalischer Ouvertüre und Intermission. Allerdings blätterte ein wenig des versprochenen Glamour gleich im Vorhinein von der Fassade: Statt Edward Dmytryk inszenierte Gilbert, statt George Hamilton und Alain Delon kam der weitaus unbekanntere  Jugoslawe Bekim Fehmiu, statt Mia Farrow oder Ali MacGraw kam Candice Bergen. Alles andere als mäßige Substitute, aber im Einzelnen und vor allem in der Summe eben um einiges weniger publikumsmagnetisch und durch die bekannt gewordenen Absagen der Wahlstars eher ungünstig in der Entwicklung.
„The Adventurers“ holt dennoch alles aus seinen Schläuchen und erweist sich als ein ungebremstes Kraftwerk vitalen Filmemachens, das noch den schwingenden Spirit der Spätsechziger atmet und für sein Enstehungsjahr beinahe schon leicht obsolet daherkommt. Psychedelia und Camp, Bond-Elemente und überzogene Gewalt; Soap, Sex und Kriegsaction, testosterongeschwängerte Schmachtereien und Charles Aznavour mit neonbeleuchtetem Folterverlies. Richtig schön prall und drall dargeboten, ohne Rücksicht auf Verluste und gerade deswegen als Kind seiner Zeit zu schrillem Verpuffen und Scheitern verdammt.
Eine allzeit obskure bis skurrile Kinopreziose, an der man sich gar nicht ausufernd genug laben kann!

9/10

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