THE RITUAL

„If the shortcut was a shortcut, it wouldn’t be called a shortcut, it would be called a route.“

The Ritual ~ UK 2017
Directed By: David Bruckner

Eine Wanderung vierer Londoner Freunde (Rafe Spall, Sam Troughton, Robert James-Collier, Arsher Ali) durch die schwedische Bergwelt wird von einem finsteren Ereignis überschattet, das bereits einige Monate zurückliegt: Damals wurde ihr Kumpel Robert (Paul Reid) während des Überfalls zweier Krimineller (Matthew Needham, Jacob James Beswick) auf einen Getränkeladen erschlagen, ohne dass der ebenfalls anwesende Luke (Spall) das Unglück verhindert hätte. Luke leidet immens unter seinen Schuldgefühlen, was weder er noch einer der anderen zur Sprache bringt. Als Dom (Sam Troughton) sich ein Knie verstaucht, entschließt man sich, eine Abkürzung durch die Wälder zu nehmen – ein verhängnisvoller Fehler, denn nachdem sich das Quartett verlaufen hat, wird man gewahr, dass eine unheimliche, monströse Entität ihr Unwesen im Dickicht treibt…

„The Ritual“ zehrt, wie ja eigentlich jeder jüngere Horrorfilm, von etlichen Vorbildern, die das Genre teils bereits vor Jahrzehnten, aber auch erst vor deutlich kürzerer Zeit hervorgebracht hat. So lassen sich neben motivischen Versatzstücken aus „The Wicker Man“ oder „The Blair Witch Project“ auch jüngere Vorbilder wie „Trolljegeren“ und der wiederum bereits selbst an Robin Hardys Klassiker rekurrierende „Kill List“ wiederfinden. Dabei findet Bruckners im ungewöhnlichen 2,00:1-Bildkader gefilmte Netflix-Produktion ziemlich gemächlich und erst nach und nach zu sich sowie seinen zumindest ansatzweise vorhandenen Stärken, wenn nämlich nach dem üblichen Brimborium um die langsam um sich greifende Angst und damit verbundene Unruhe unter den Freunden, die langsame Erkenntnis der Ausweglosigkeit ihrer Situation und ihres Ausgeliefertseins sowie die erste Dezimierung der Gruppe gesetzt sind, die dramaturgischen Obligos also abgehakt sind und der eigentlichen Originalität Raum geschlagen werden kann. Diese formiert sich im letzten Drittel in Form eines heidnischen Kults, dessen Handvoll Anhänger versteckt in den Wäldern und offenbar seit Äonen ein gottähnliches Wesen, einen Jötunn, anbeten und ihm regelmäßig Opfer darbringen. Diesen Jötunn, so wie „The Ritual“ in visualisiert, muss man sich in etwa als eine Art gigantischen Elch mit skeletthaftem Äußeren und gestaltwandlerischen Fähigkeiten vorstellen, der sich grunzend und blökend durchs Gehölz pflügt. Seine Opfer spießt er wie Mahnmale an kahle Äste, wo sie dann verenden und vor sich hinhängen. Im Gegenzug für ihre Treue erhalten seine Anbeter offenbar eine verlängerte Lebensspanne. Für den schuldgeplagten Luke erweist sich der Jötunn am Ende natürlich als sehr viel mehr – ihm bietet sich durch die unausweichliche Konfrontation mit dem Biest nämlich die Möglichkeit zu symbolischer Wiedergutmachung; indem er das kleine Dorf der Paganisten niederbrennt, erfüllt er seinem kurz zuvor geopferten Freund Dom dessen letzten Wunsch. Auch erweist sich Luke als stark genug, dem Jötunn zu trotzen, nicht etwa, indem er ihn besiegt, sondern indem er ihm sich nicht als Opfer darbietet, sprich: Widerstand zeigt. Das ganze Abenteuer erweist sich für Luke also als eine Art Konfrontationstherapie – unter Einbeziehung der Tatsache, dass selbige jedoch auch seine drei letzten Freunde das Leben kostet, eine recht kostspielige Angelegenheit.

7/10

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