VICTOR CROWLEY

„We are so dead.“

Victor Crowley ~ USA 2017
Directed By: Adam Green

Nach Jahren der trügerischen Ruhe brodelt es wieder im Honey Island Swamp – ein dulles Trio von Amateurfilmern (Katie Booth, Chase Williamson, Laura Ortiz) sorgt durch seine Unachtsamkeit dafür, dass der mutierte Massenmörder Victor Crowley (Kane Hodder) die längste Zeit im Jenseits schlummerte. Zudem stürzt das Flugzeug eines Fernsehteams, das den damaligen Überlebenden Andrew Yong (Parry Shen) vor Ort interviewen möchte, vor Ort ab. Der alte Victor bekommt einiges zu tun…

Wie es sich für standesgemäße boogy men ziemt, war auch die Reaktivierung des Sumpfmonsters Victor Crowley, standesgemäß wieder von Kane Hodder interpretiert, bloß eine Frage der Zeit bis zur ohnehin überfälligen Rückkehr zum blutigen Aktionismus. Nachdem Kollege BJ McDonnell ihn im dritten Teil auf dem Regiestuhl ablöste, überraschte Adam Green seine Fangemeinde beim Frightfest UK im Herbst letzten Jahres mit der Eröffnung, dass ein neuer „Hatchet“ nicht nur in Planung, sondern bereits fertig sei und itzo auch umgehend angeschaut werden könne. Die Reaktionen der Anwesenden sollen höchst euphorisch ausgefallen sein, was man ihnen angesichts der Überraschung kaum verdenken kann.
Nachdem bereits die Vorgänger keinen Hehl aus ihrer unbedingten Affinität zur Selbstironie und Transzendierung des gesamten Genres machten, ist „Victor Crowley“ nun endgültig reine Comedy, die sich jedoch durch dermaßen fiese (handgemachte!) Pampereien und matschiges Blutgesuhle angereichert findet, dass das Ganze natürlich trotzdem weiterhin seinem ganz exklusiven Publikum vorbehalten bleibt. Greens kernige Witze zünden zwar nicht immer, erweisen im besten Falle aber Humor-Großtätern wie Adam Sandler und Will Ferrell Reverenz, wobei die Rolle des schmierigen, am Ende aber doch aufopfernd-heldenhaften Touri-Führers Dillon (David Sheridan) besonders letzterem perfekt auf den Leib geschrieben gewesen wäre. Auch sonst ist Green ein ganzes Konglomerat aus Reminiszenzen und Hommages aus der Feder geflossen, die freilich auch wieder mit einigen netten cameos einhergehen.
Den Hut ziehen muss man diesmal ganz im Ernst vor der sich immer zeitgemäßer und liberaler gebenden FSK, die das gnadenlose Überspitzungspotenzial des Films völlig durchblickt und ihn ungeschnitten mit einer 18er-Freigabe durchgewunken hat. Vor dreißig Jahren wäre das Ding einkassiert worden, bevor der erste bundesdeutsche Filmvorführer auch nur ein Spitze von Victor Crowleys zauseligem Haupthaar zu Gesicht bekommen hätte. Humor muss man haben, dann klappt’s auch mit dieser Spaßgranate.

7/10

JIGSAW

„You have a choice. Scream or don’t.“

Jigsaw ~ USA/CAN 2017
Directed By: Michael Spierig/Peter Spierig

Ganze zehn Jahre nach dem Tod des Jigsaw-Killers John Kramer (Tobin Bell) beginnt ein Unbekannter, dessen etwas perverse Moralagenda aufs Neue in die Tat umzusetzen. Der hartgesottene Cop Halloran (Callum Keith Rennie) und seine Mitarbeiter, darunter der Kriminalpathologe Logan Nelson (Matt Passmore), setzen sich auf die Spur des Mörders und entwickeln Verdachtsmomente in ganz unterschiedliche Richtungen. Eine davon geht sogar so weit, in Erwägung zu ziehen, dass Kramer mitnichten in seinem Grab schlummert, sondern sein früheres Treiben auf wundersame Weise fortsetzt…

Sage und schreibe ganze sieben Jahre ist es nun schon her, dass mit „Saw 3D“ der bis dato letzte Beitrag zu der denkwürdig ausufernden Killerchronik erschienen war. Der damals so inflationär genutzte Terminus „torture porn“ hat sich analog zum Verschwinden der vormals so regelmäßig reüssierenden Reihe mittlerweile wieder weitgehend aus dem ohnehin unzulänglichen Definitionsvokabular vieler mehr oder minder empörter Betrachter verabschiedet. Doch gibt auch diese alte Kuh immer noch ordentlich fette Milch, wie die Spierig-Brüder mit „Jigsaw“, der nunmehr achten filmischen Installation um John Kramer und seine Epigonen sich anschickten unter Beweis zu stellen. Wer mit den früheren Serienbeiträgen sein persönliches Auskommen fand, der sollte zwangsläufig auch „Jigsaw“ zugeneigt sein; mit einem sich zum Ende hin  sturzbachartig entleerenden Füllhorn aus bis dato zurückgehaltenen Informationen findet der geneigte Rezipient sich wieder einmal vortrefflich verarscht und an der Nase herumgeführt – sämtliche zuvor gestreuten Indizien zur Schürung detektivischer Anstrengungen erweisen sich abermals als schmackhaft ausgelegte Attrappen zugunsten wirrer Volten. Doch ist man „Jigsaw“, zumal in traditioneller Kenntnis dieser bereits traditionellen Irrführungsnarration, diesbezüglich keinesfalls böse – dazu bleibt in Anbetracht des immens straffen Vortrags und der gewohnt sadistischen Einfälle (mein persönlicher Lieblingskill und zugleich einer der grandiosesten des gesamten Franchise ist natürlich der letzte) ohnehin kaum Zeit.
Das vormals etablierte Grundkonzept um den selbsternannten Scharfrichter, der am Ende dann doch zigmal abartiger ist als jedes seiner Opfer auch nur zu träumen wagt, bleibt bestehen, allerdings mit einem neuen Drahtzieher, der sich von Stund an anschicken darf, den losen Faden neu aufzunehmen. Mir soll’s recht sein, ich bin (und bleibe) dabei.

7/10