LA FIGLIA DI FRANKENSTEIN

„Here on Earth, man is God!“

La Figlia Di Frankenstein (Lady Frankenstein) ~ I 1971
Directed By: Mel Welles

Kurz bevor Baron Frankenstein (Joseph Cotten) und sein Helfer Dr. Marshall (Paul Muller) ihr glorreiches Experiment zur Erschaffung künstlichen Lebens aus rekomponierten Leichenteilen fertigstellen können, kehrt des Burgherrn schöne, frisch medizinexaminierte Tochter Tania (Rosalba Neri) nach Hause zurück, die insgeheim schon seit langem um die Bestrebungen ihres alten Herrn weiß und nun daran teilhaben möchte. Die bald darauf tatsächlich zum Leben erweckte Kreatur (Peter Whiteman) ist jedoch gar nicht mit ihrer unfreiwilligen Neugeburt einverstanden und geht sogleich auf Mordzug, dem Baron als erstes Opfer das Leben aus der Brust quetschend. Während der übereifrige Polizist Harris (Mickey Hargitay) dem Monster auf der Spur ist, gibt es für die langsam aus dem psychischen Ruder laufende Tania nur einen Weg, das Ungeheuer zu stoppen – eine zweite Kreatur muss her, mit dem Gehirn Marshalls im Körper des imbezilen Stallknechts Thomas (Joshua Sinclair)…

Prächtiger Camp aus den letzten Tagen des golden age of gothic horror, als Schnellschuss finanziert und von Regisseur Welles doch höchst ambitioniert hergestellt. Der Gute machte das Beste aus den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, hatte schöne Kulissen (ein umbrisches Schloss nebst Interieur, ein schickesa Monsterlabor mit allerlei eingelegten Leichenteilen und brodelnden, rot lumineszierenden Reagenzien) zur Verfügung und ein knackiges Ensemble, wie es für jene Ära und diese Art Produktion nebst Standort geradezu repräsentativ ist. Vor allem Rosalba Neri glänzt in der Titelrolle als selbstbestimmte Frau: In einer patriarchalisch dominierten Zeit besitzt sie die Chuzpe, nicht nur einen akademischen Abschluss vorweisen zu können, sondern dazu noch völlige sexuelle Autarkie. Weil das an sich gut gewachsene Faktotum Thomas ihr einserseits zu flachgeistig ist, der sie begehrende Dr. Marshall andererseits aber zu hässlich und altersschwasch, kommt sie kurzerhand auf die blitzgescheite Idee, ihres Vaters Errungenschaften für eine Kombination des Besten beider Welten zu missbrauchen – ein schönes Gehirn in einem leistungsstarken Körper, das wär’s doch überhaupt! Dass Tania F. nebenbei ziemlich paraphile Gelüste ihr Eigen nennt, wird in der Szene deutlich, als sie lustvoll orgasmierend den erstickenden Thomas buchstäblich ins Jenseits reitet. Dem wasserköpfigen Monster mit Triefauge wird leider etwas wenig screentime zugedacht, wie auch schade ist, dass Joseph Cotten bereits nach knapp der Hälfte aus der Geschichte scheidet. Aber sei’s drum, „La Figlia Di Frankenstein“ ist alles in allem ein schöner Film und eine Zierde seiner Gattung sowieso.
Was die Herrschaften von Buio Omega für ihre just erschienene Liebhaberedition des Films, ein absolutes Referenzobjekt für Liebhaber und Sammler psychotronischer, apokrypher Kinofrüchte, auf die Beine gestellt haben, ist nebenbei die absolute Obersahne: Der Film erstrahlt komplett restauriert und wieder vervollständigt in leuchtenden Farben und knackscharf, von den witzigen Extras einmal ganz abgesehen. So, und eigentlich nur so sollte optimalerweise das Heimstudium von schillernden Werken wie diesem erfolgen.

7/10

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