WIND RIVER

„Luck don’t live out here.“

Wind River ~ USA/CA/UK 2017
Directed By: Taylor Sheridan

Nachdem die Arapaho-Indianerin Natalie (Kelsey Asbille) tot im winterlichen Wind-River-Reservat aufgefunden wurde, nehmen sich der ortskundige Jäger und Fährtenleser Cory Lambert (Jeremy Renner) und die FBI-Agentin Jane Banner (Elizabeth Olsen) des Falles an. Denn obschon kein direkter Beweis für einen Mord vorliegt, gibt es deutliche Anzeichen für eine Vergewaltigung sowie dafür, dass Natalie in Todesangst um ihr Leben gerannt und dann infolge der Eiseskälte gestorben sein muss…

Das Finale der von Taylor Sheridan gescripteten „border trilogy“ nach „Sicario“ und „Hell Or High Water“ und außerdem der einzige Film jener kleinen Reihe, den der Autor selbst (als zweite Regiearbeit nach sechs Jahren) inszeniert hat, fällt zugleich leider auch am Schwächsten von den Dreien aus. Dieser – wenngleich auf recht hohem Niveau zu äußernde – Vorwurf betrifft Buch und Story gleichermaßen. Sheridan versucht hier, eine Allegorie die fortwährende völkische Misshandlung der amerikanischen Ureinwohner betreffend zu konstruieren. Wie das sich zu Tode rennende, brutal vergewaltigte Opfer, so die relativ grob formulierte Metaphorik des Films, werden die natives nunmehr seit Jahrhunderten in die Knie gezwungen, geschunden und gehetzt. Kulturelle Durchweichung, Bildungsferne, Armut, Alkohol- und Drogenmissbrauch sind die Folgen der zum Großteil noch immer in Reservaten wie Wind River, Wyoming dahinsiechenden Menschen. Diesem unbestreitbar fürchterlichem Zustand wurden schon häufiger Genrefilme gewidmet. „Wind River“ steht also als jüngster Beitrag einer bisweilen stolzen Ahnenreihe. Ob er es als solcher noch immer nötig hat, einen Weißen in der modernisierten Tradition von Lederstrumpf und Old Shatterhand als ethnischen Stellvertreter in den heroischen Mittelpunkt seiner Story zu stellen, halte ich für fragwürdig bis kontraproduktiv. Den ansonsten im Film vorkommenden Indianern fehlt wahlweise Kraft, Legitimation oder Ehrgeiz um die am Ende zur Selbstjustiz ausartenden Bestrafung des bzw. der feigen Mörder Natalies und ihres Freundes (Jon Bernthal) selbst durchzuführen. An deren Statt muss Jeremy Renner etwas wichtigtuerisch jenen Vergeltungsakt übernehmen, der als Ex-Mann einer Stammeszugehörigen (Julia Jones) und Vater einer einst gestorbenen Tochter, die zugleich Natalies beste Freundin war, passend dazu hinreichend Handlungsmotivation auf den Leib geschrieben bekam. Doch nicht nur im Hinblick des kritikwürdigen Plots, auch was die Schaffung involvierender Atmosphäre anbelangt, bleibt „Wind River“ hinter seinen beiden meisterhaften Vorgängern zurück.
Gewiss ist „Wind River“ all meinem obigen Geunke zum Trotz keinesfalls als missglückt zu bezeichnen – seine karge Grundierung und einzelne Szenen wie der shoot out im Camp der Ölraffinerie-Arbeiter lassen ihn in seiner Gesamtheit bestimmt noch immer als sehenswert dastehen. Nur dem sich zwangsläufig stellenden Vergleich mit zwei anverwandten veritablen Kinogroßtaten, dem hält Sheridans Film am Ende nicht ganz stand.

7/10

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