MURDER AHOY

„Who does she think she is, Neptune’s mother?“

Murder Ahoy (Mörder Ahoi!) ~ UK 1964
Directed By: George Pollock

Just während Miss Marples (Margaret Rutherford) erster Sitzung im Komitee der Jugendhilfestiftung „Kap der Guten Hoffnung“ segnet eines der arrivierten Vorstandsmitglieder, Ffolly-Hardwicke (Henry Longhurst), das Zeitliche, bevor er eine wichtige Neuigkeit kundtun kann. Entgegen Inspector Craddocks (Charles Tingwell) vorschneller Annahme, es handele sich um einen ordinären Herzinfarkt, findet Miss Marple umgehend heraus, dass Ffolly-Hardwickes Schnupftabak mit Strychnin versetzt war. Die Spur führt zum Erziehungssegler „H.M.S. Battledore“, der im Hafen eines Nachbarorts vor Anker liegt. Ganz zum Unwillen des enervierten Captain Rhumstone (Lionel Jeffries) lädt sich sich Miss Marple kurzerhand selbst zur Schiffsinspektion ein und hat den Mörder bald auf dem Präsentierteller…

Abgesehen von einem Mini-Cameo in Frank Tashlins Poirot-Groteske „The Alphabet Murders“ bildete „Murder Ahoy“ Margaret Rutherfords vierten und letzten Auftritt in der Rolle der gewieften Miss Marple. Die noch im vergleichsweise späten Alter von 71 Jahren oscargekrönte Darstellerin (für Anthony Asquiths ganz hübschen „The V.I.P.s“) verschaffte der Hobby-Detektivin ein auf lange Jahre hin gültiges Kino-Antlitz, das eigentlich gar nicht so recht zu der von Agatha Christie kreierten Figur passen mochte; diese war eherhochgewachsen, dünn und blässlich mit Hang zu Atemwegserkrankungen, derweil die Rutherford eher als gedrungene, nassforsche, aber physisch durchaus fitte ältere Dame mit rüstigem Habitus ihren oftmals verbrecherischen Gegenübern Respekt einflößte. Am Ende von „Murder Ahoy“ hat sie sogar ein Fechtduell im Tonus klassischer swashbuckler auszutragen.
Feinsinniger britischer Humor gehörte insofern ebenso zum Konzept der Tetralogie wie die kriminalistische Komplexität und Logik der Geschichten. Gleichfalls (psychologische) Konterparts und zum Ende hin dann stets respektvolle Freunde der schrulligen Dame bildeten zum Einen der (Ober-)Inspector Craddock, der trotz Miss Marples immer wieder unter Beweis gestellten Verstandesschärfe nie bereit ist, deren deduktive Fähigkeiten anzuerkennen und sie lieber dort sähe, wo alte Frauen seiner bourgeoisen Auffassung nach hingehören: Strickend vor dem heimischen Kamin. Zum anderen darf nie das patriarchalisch konnotierte Oberhaupt der von Miss Marples Ermittlungsleidenschaft heimgesuchten Institution fehlen. In „Murder Ahoy“ handelt es sich dabei um den ebenso witzigen wie miesepetrigen Kapitän der Battledore, dem Lionel Jeffries ein wunderbar komisches Auftreten verabreicht. Ob es angesichts der formalen und konzeptuellen Analogien der vier Filme im Nachhinein zu begrüßen ist, dass es bei dieser ihrer überschaubaren Anzahl geblieben ist, lässt sich kaum abschließend festhalten; sicher ist derweil, dass zumindest keiner der vier vorhandenen Vertreter des Quartetts kein Iota an Charme, Intelligenz und Spaßigkeit eingebüßt hat.

8/10

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