I WALK ALONE

„Every man has a girl who sings someplace in his life.“

I Walk Alone (14 Jahre Sing-Sing) ~ USA 1947
Directed By: Byron Haskin

Nachdem er eine Gefängnisstrafe von vierzehn Jahren für Alkoholschmuggel während der Prohibition verbüßt hat, kehrt Frankie Madison (Burt Lancaster) nach Manhattan zurück, um den seinerzeit mit seinem besten Freund und Kompagnon Dink Turner (Kirk Douglas) vereinbarten Anteil an dessen seither eingefahrenen Gewinnen zu fordern. Doch Dink, der mittlerweile einen neuen, immens erfolgreichen Nachtclub besitzt, weigert sich, Frankie mehr als ein allerhöchstens repräsentatives Pflichtteil auszubezahlen und tut alles dafür, den zunehmend ungehaltenen Ex-Sträfling loszuwerden. Als sich jedoch Dinks Geliebte Kay (Lizabeth Scott) auf Frankies Seite schlägt, wendet sich das von Dink sorgsam gezinkte Blatt allmählich…

Byron Haskins Bilderbuch-Noir lieferte die erste Gemeinschaftsarbeit von Burt Lancaster und Kirk Douglas, die im Laufe der kommenden vierzig Jahre noch in sechs weiteren Filmen gemeinsam auftreten sollten. 1947 standen beide mit Anfang bzw. Mitte 30 noch ganz am Beginn ihrer Karrieren und hatten jeweils bereits zwei mehr als respektable Auftritte in anderen films noirs vorgelegt, die sie für ein gemeinsames Engagement unbedingt empfahlen. Dabei wurde bereits geringfügig in beiden Fällen die für die damalige Studiopolitik obligatorische Typographie betrieben: Lancaster wurde mit Wuschelkopf, athletischem Raubritterkreuz und Pferdegebiss zum leicht einfältigen, aber irgendwo weit drinnen herzensguten Gerechtigkeitsliebhaber stilisiert, dem man lieber nicht übel mitspielen sollte, wenn einem die Gesundheit lieb war und Douglas, erlesen befrackt, hämisch grinsend und mit perfekt liegender Frisur zum öligen, aalglatten Lump, dessen schicke Bösewichte jedoch zugleich stets etwas tiefennunancierter auftraten als von anderen gewohnt. Perfekte Antipoden also gewissermaßen, von denen in dieser Adaption eines Stücks von Theodore Reeves die bloße Behauptung langen muss, dass sie dereinst beste Freunde waren. Lediglich einen Schlüsselrüblick gestattet uns Haskin, indem er nämlich zeigt, wie Frankie einst der Justiz ins Netz ging. Möglich, dass Dink ihn damals bereits gelinkt hatte, denn die Umstände um Frankies Verhaftung wirken doch etwas sehr zufällig und arrangiert. Diese letzte Wahrheit jedoch hält „I Walk Alone“ uns vor; wir werden stattdessen Zeuge der vollendeten Entwicklung jener beiden so ungleichen Männer, von denen der Eine ein eifrig scheffelnder Erfolgsmensch geworden ist und der andere ein zurecht frustrierter, beinahe ausgebrannter Zyniker. Dass letzterer am Ende nicht nur das moralische Recht, sondern angesichts Dinks panischem, sogar tödlichen Aktionismus auch jedes andere auf seiner Seite hat, ist Bestandteil der schlussendlich dringend notwendigen Luftreinigung. Fast ein wenig schade. Eine „What if…“-Variante, in der Dink Turner triumphiert, hätte dann eigentlich doch eine wesentlich realistischere conclusio geboten.

8/10

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