THE NAKED CITY

„Another day, another ball of fire rising in the summer sky.“

The Naked City (Stadt ohne Maske) ~ USA 1948
Directed By: Jules Dassin

Mitten im hochsommerlichen Manhatten wird eine junge Frau namens Jean Dexter des Nachts brutal ermordet. Der mit den Ermittlungen betraute Lieutenant Muldoon (Barry Fitzgerald), ein alter Hase in der Mordkommission, benötigt neben einem treuen Mitarbeiterteam und seiner feinen Nase nur wenige Tage, um die nicht unkomplizierten Zusammenhänge aufzuschlüsseln, die zum gewaltsamen Tode des Opfers geführt haben.

Mit keinesfalls unverhohlenem Stolz verkündet Mark Hellinger, der kurz nach seiner Betrachtung der endgültigen Schnittfassung verstorbene Produzent von „The Naked City“, gleich zu Beginn aus dem Off, dass der Film keineswegs wie üblich im Studio-Atelier, sondern vor Ort in New York City entstanden sei und die Stadt und ihre Menschen völlig ungeschminkt zeige. Hellinger (in der deutsch vertonten Fassung Paul Klinger) ließ es sich nicht nehmen, auch den weiteren Verlauf der Geschehnisse mit flotten Kommentaren zu flankieren und schlägt dabei als auktorialer Naseweis leider hier und da über die Stränge. Es hätte gut und gern bei Pro- und Epilog bleiben dürfen, obschon diese relativ umweglos zu vernachlässigende Schwäche Dassins ansonsten makellosen Film gewiss keinen Strick dreht. Und es stimmt tatsächlich: Die vor Ort arrangierten Dreharbeiten geben Zeugnis einer filmischen Pionierleistung. Als durchaus sozialkritisch intendiertes Kunstartefakt politisch vornehmlich links positionierter Filmemacher ist „The Naked City“ mit seinen vielen cameos indes nurmehr ansatzweise identifizierbar. Nur wenige Szenen zeugen noch von einer Porträtierung des ökonomischen Gefälle innerhalb der schwitzenden Urbanität, die ursprünglich ein fester Bestandteil der Narration hätten sein sollen – Autor Albert Maltz, Mitglied der Kommunistischen Partei, hatte vor dem HUAC die Aussage verweigert und konnte zum Zeitpunkt der Filmpremiere bereits nicht mehr arbeiten, Dassin, der kurz darauf von Kazan und Dmytryk denunziert wurde, musste sich alsbald ins europäische Exil flüchten. Als direkte Folge jener „Umtriebe“ (um in der Terminologie McCarthys zu bleiben) wurden sämtliche Stellen, die „The Naked City“ als Produkt linken Filmemachens hätten ausweisen mögen, entfernt. Immerhin langte es dann für eine elf Jahre später lancierte TV-Serie mit John McIntire in Barry Fitzgeralds Rolle, die sogar vier Staffeln durchhielt.
So oder so bleiben ein eminentes Zeitzeignis sowie ein durchweg sehenswerter Film, dessen Visualität Einflüsse des berühmten Stadtphotographen Weegee ebenso in sich vereint wie die Ästhetik des Neorealismus. Für einen film noir ist „The Naked City“ folglich geradezu ungewöhnlich hell und offen, was seinen stolzen Sonderstatus innerhalb der Gattung präserviert.

8/10

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