RESOLUTION

„There really are a lot of weird people out here.“

Resolution ~ USA 2012
Directed By: Justin Benson/Aaron Moorhead

Michael (Peter Cilella) fährt in das kalifornische Hinterland, nachdem er ein bizarres Video seines besten Freundes Chris (Vinny Curran) erhalten hat. Chris ist seit langer Zeit schwer drogenabhängig, weshalb der sozial gesettlete Michael eigentlich nichts mehr mit ihm zu tun hat. Um der alten Zeiten Willen entschließt sich Michael jedoch, Chris aus dem Gröbsten herauszuhelfen. Er findet den imnens verwirrten Junky in einer baufälligen Hütte, fesselt er ihn mit Handschellen an die Wand und setzt ihn kurzerhand auf kalten Entzug. Bald jedoch registriert Michael, dass nicht nur mit Chris etwas ganz und gar nicht stimmt. In der Gegend, die sich als Teil eines Indianerreservats erweist, halten sich überall komische Typen auf. Kleinkriminelle Hillbillys, Mitglieder einer UFO-Sekte, Indianer, die von Michael Miete für die Hütte verlangen, ein kiffender Franzose in einem Wohnwagen. Am Merkwürdigsten jedoch ist, dass ihm und Chris andauernd Aufzeichnungsmedien auf unterschiedlichste Weise zugespielt werden: Mails, Bücher, Fotos, Dias, CDs, Bänder, Super-8-Filme, sogar Holzzeichnungen an der Wand tauchen urpöltzlich auf und zeigen wahllos Fremde in Stresssituationen oder manchmal auch Michael und Chris. Die Botschaften kommen buchstäblich aus heiterem Himmel und scheinen keinen rechten Sinn zu ergeben…

Das Jungregisseurs- und Autorenduo Benson/Moorhead erarbeitet sich nach und nach einen wachsenden Leumund in der Genreszene. Zeit, einmal einen Blick zu riskieren. Nun, die hier und da bereits vollmundig als solche gepriesene, große Mindfuck-Revolution, die manch einer in ihren Werken zu erkennen glaubt, liegt hier ganz gewiss nicht vor. Die Jungs sind ganz offensichtlich vor allem selbst eifrige Filmegucker, die sich erfreulicherweise entschlossen haben, ihr gewiss vorhandenes Talent zu nutzen und ihre Erfahrungen mit kleinen Budgets zu eigener Kunst zu formen. Eine Menge Spuren (und natürlich Reminiszenzen) schimmern in „Resolution“ durch: „The Evil Dead“, „The Blair Witch Project“, „Donnie Darko“, „Triangle“, die beiden „Reeker“-Filme von Dave Payne und vermutlich noch etliche weitere, deren Fährten mir nicht ganz so unmittelbar in Aug und Nase gesprungen sind. Ein bisschen Von-Trier-Dogma, ein wenig cinéma vérité, dass es sich auch künstlerisch hübsch tolerabel ausnimmt. Die Kamera wackelt in blassem DTV, Musik gibt’s freilich keine und wir, die Zuschauer, sollen umso dichter dran sein an Michael, dessen schwangere Frau (Emily Montague) daheim auf ihn wartet, der seines kleinen Grafikdesignerlebens eigentlich überdrüssig ist und dessen bester Kumpel nunmehr sein Crack-Pfeifchen entbehren muss und für einen Kaltentzügler erstaunlich gut klarkommt. Was da nun wirklich alles passiert, lässt sich, mysterious, mysterious, nicht eindeutig analysieren und gibt vermutlich vielmehr inflationären Anlass für seitenlange, nerdige Interpretationsspinnereien. Audiovisuelle Schnitzel legen Benson und Moorehead (klingt wie eine Tabaksmarke, merke ich eben) jedenfalls zu Dutzenden, nur zu einer schlüssigen Einheit zusammenfügen lassen sie sich garantiert nicht. Das ist aber auch, zumindest ein Stück weit, schuldige Nebensache. „Resolution“ geht es um Stimmung, Atmosphäre und den wachen Blick des Publikums, nicht um biedere Kausalitäten. Vielleicht könnte man „Resolution“ am Ehesten als filmisches Äquivalent zu einem etwas braver gearteten Stoner-Rock-Album bezeichnen.
Immerhin ein paar Erläuterungsspitzen hält dann zumindest der Nachfolger „The Endless“ bereit, den ich mich in der glücklichen Lage befand, gleich im Anschluss schauen zu können.

6/10

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