THE ENDLESS

„You were always here.“

The Endless ~ USA 2017
Directed By: Justin Benson/Aaron Moorhead

Vor einigen Jahren haben die beiden Brüder Justin (Justin Benson) und Aaron Smith (Aaron Moorhead) auf Justins Insistieren hin eine nahe der kalifornischen Wüste beheimatete Esoterikergruppe verlassen, bei der sie seit Kindheitstagen lebten. Ihre Eltern hatten dort einst einen tödlichen Autounfall und Hal (Tate Ellington), der geistige Führer der Aussteiger, hatte sich ihrer angenommen. Der bodenständigere Justin war dann jedoch irgendwann der Meinung, die sich angeblich durch Bierbrauerei selbst finanzierende Gruppe sei gefährlich, glaube an außerirdischen Humbug und plane mittelfristig einen kollektiven Selbstmord, woraufhin er und Aaron Richtung L.A. verschwanden. Dort gestaltet sich das Leben jedoch als materiell prekär und insgesamt allzu diffizil, weshalb Justin sich zähneknirschend von Aaron überreden lässt, nach „Camp Arcadia“, wie die Aussteiger ihren Hort nennen, zurückzukehren. Vor Ort angekommen zeigt sich, dass Justin Aaron zwar einige Lügengeschichten über die Leute aufgetischt hat, es in der ruralen Gegend jedoch nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Zwei Monde scheinen des Nachts und ein dritter geht gerade auf, irgendwo hoch am Firmament lauert eine offenbar überirdische, unsichtbare Kraft, seltsame Menschen geistern um das Camp herum. Schließlich finden die Brüder vereint die haarsträubende Wahrheit über das Areal heraus…

Fünf Jahre nach dem um Einiges kärglicher gestalteten „Resolution“ konnten Justin Benson und Aaron Moorhead auf ein sichtbar großzügigeres Budget zurückgreifen und den damals kreierten Mythos um eine (oder mehrere) obskure Entität(en) im kalifornischen backcountry weiterspinnen. Die Installation und sukzessive Ausweitung umfassender filmischer Universen erfreuen sich aktuell spätestens seit des Milliarden-Erfolgs des MCU vor allem bei Genrefans überaus intensiver Beliebtheit; man denke nur an die „Cloverfield“-Reihe, die bereits drei auf direkter Narrationsebene völlig unterschiedliche Geschichten hervorbrachte, die lediglich den gemeinschaftlichen Nenner besitzen, alle in derselben Realität spielen. Legendarys MonsterVerse erhält demnächst seinen dritten Ableger und Universal feilt weiterhin eifrig an seinem Dark Universe um die großflächige Revitalisierung der klassischen, vornehmlich viktorianischen Filmmonster. Warum nicht ein entsprechendes Äquivalent im kostengünstigen und vor allem studiounabhängigen Indie-Sektor aus dem Boden stampfen? Nun, hieraus könnte, bei anhaltendem Erfolg (und genau nach solchem schnuppert es justament) Entsprechendes werden. Was haben wir da nun genau? Eine (oder wie erwähnt gar eine Gruppe von) übermächtige(n) Wesenheit(en) unbekannter Herkunft (sie könnten außerirdischen Ursprungs sein oder uralte, auf der Erde beheimatete Kreaturen ähnlich den „Großen Alten“, vielleicht auch indianische Gottheiten), die in der Lage sind, Bannkreise zu erschaffen, in denen Raum und Zeit außer Kraft gesetzt sind, in denen Realität und Kausalitätszusammenhänge sich nach dem Zufallsprinzip immer wieder neu zusammensetzen und deren menschliche „Opfer“, also Personen, die zum passenden Zeitpunkt freiwillig oder unfreiwillig in einen der Bannzirkel geraten, durch gezielte Hinweise in Form übersandter Medien und Datenträger sich nach und nach ihrer Situation gewahr werden. Manch einer wird darüber wahnsinnig (James Jordan), andere [bester und eigentlich einziger wirklich creepiger Einfall des Films: der Typ im Zelt (Ric Sarabia)] sind im Bruchteil weniger Sekunden gefangen, offenbar je nach der momentanen Konstellation der ebenfalls metaphysischen Gestirne. Welches Ziel die Kultisten (sind es überhaupt welche?) genau verfolgen, bleibt wiederum etwas schleierhaft; wollen sie das ewige Leben oder suchen sie gerade davon Erlösung? Fest steht, dass der Einfluss der Wesen mit der Erfindung digitaler Vernetzung nicht mehr auf das Wüstenareal beschränkt ist. Wie bereits „Resolution“ gezeigt hat, können sie ihre medialen Kommunikationswege nunmehr auch „nach draußen“ ausweiten, um neue Opfer für ihre Bannzirkel anzulocken.
Für die beiden Brüder (Sollen sie eigentlich Zwillinge sein? Der Eingangstext lässt Entsprechendes vermuten, der Film jedoch verrät diesbezüglich nichts) entwickelt sich das Ganze schließlich zu einer im Verhältnis zu ihren übersinnlichen Erlebnissen relativ ordinären Revision ihrer Beziehung zueinander, so dass „The Endless“ uns im Intimbereich zwar ein happy end beschert, im Nachhinein aber noch immer allzu unbefriedigend viele, lose Enden bleiben. Mal sehen, ob da noch was kommt…

7/10

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