JUGGERNAUT

„Specks in the universe, Captain. Launch your lifeboats.“

Juggernaut (18 Stunden bis zur Ewigkeit) ~ UK 1974
Directed By: Richard Lester

Ein gewiefter Erpresser unbekannter Identität platziert sieben Bomben an Bord des englischen Kreuzfahrtschiffs „SS Britannic“, bevor dieses sich auf eine Atlantiküberquerung begibt. Um seiner Forderung von einer halben Million Pfund Gewicht zu verleihen, zündet der sich selbst „Juggernaut“ nennende Bombenleger aus der Ferne ein paar kleinere Sprengladungen an Bord. Zudem hat er die explosive Fracht mit allerlei Finten und Irreführern gespickt, so dass selbst der eilends zum Schiff geflogene, überaus erfahrene und ehrgeizige Entschärfungsexperte Anthony Fallon (Richard Harris) und seine Crew ihre liebe Not mit Juggernauts Bomben haben.

Einen ebenso spannenden wie klugen Katastrophenfilm zutiefst britischer Prägung setzte Richard Lester der sich auftürmenden Welle der weitaus großkotzigeren US-Pendants entgegen. Wie man es gewohnterweise von ihm kennt, ironisierte Lester zugleich das just florierende Genre und schuf dennoch einen waschechten, exzellent inszenierten Gattungsbeitrag mit allen bekannten Attributen. Ein gewisses Novum im Vergleich zu den vornehmlich von Irwin Allen produzierten und/oder inszenierten Hollywood-Filmen bildete die Tatsache, dass diesmal nicht die Unberechenbarkeit der Natur oder menschliches Versagen als Ursache für die drohende Unbill herzuhalten hatten, sondern ein einzelner, älterer, frustrierter Täter, der sich gegen Ende als ein mit seiner kargen Rente unzufriedener, pensionierter Kollege und Mentor (Freddie Jones) Fallons herausstellt. Auch dieser Faktor, die gewissermaßene Reduktion des Unvorstellbaren auf ein höchst irdisches und reales Element, stellte eine gewisse, für Lester gewiss unabdingbare Erdung des ansonsten ein ums andere Mal ans Phantastische grenzenden Sujets dar. Die Ausweitung auf mehrere figurale Handlungsträger, darunter Fallon und sein Team, den Kapitän (Omar Sharif) der Britannic und seine frustrierte Geliebte (Shirley Knight) oder den an Land ermittelnden Superintendent (Anthony Hopkins), dessen Frau (Caroline Mortimer) und Kinder (Adam Bridge, Rebecca Bridge) sich auf dem Schiff befinden, sind wiederum typisch für das regelmäßig über stolze Ensembles verfügende Katastrophenkino dieser Zeit, ebenso wie einen in einer bestimmten Beziehung nahezu übermenschlichen Helden (im Fallons Falle sind das seine Intelligenz und sein unschlagbares Entschärfungsgeschick), dessen offene Rechnung mit dem potenziellen Massenmörder sich schließlich noch eine höchst persönliche Note ergänzt findet.
„Juggernaut“ hat jedenfalls alles, was ein Film seiner Provenienz braucht – und vielleicht sogar noch ein klein wenig mehr davon.

8/10

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